Wie in Trance
Wozzecks Welt ist eine Scheibe. Fällt er von ihrem Rand, was ihm im Verlauf des Abends ein paar Mal passiert, fällt er ins abgründige Universum seiner wirren Fantasie. Martin Winkler spielt und singt das mit wilder, weher Leidenschaft und großer, fülliger Stimme; ein grob gewobener, doch gutmütiger Kerl, dem die Mitwelt so übel zusetzt, dass er sich zuletzt an dem rächt, was er am liebsten hat – an Marie, der Mutter seines Kindes.
Die attraktive Nicola Beller Carbone, eine «Mahagonny»-Jenny eher als das arme Büchner’sche Kleinstadtflittchen, stirbt denn auch mit einem Ausdruck entsetzten Staunens im Gesicht.
Dass man sich bei der Inszenierung, die Regisseur Philipp Himmelmann und sein Bühnenbildner Johannes Leiacker da auf die Bühne des Grazer Opernhauses gestemmt haben, etwa an Wieland Wagners Neubayreuth erinnert, ist kein Vorwurf, im Gegenteil: Das Hinterhirn speichert wohl große theatralische Leistungen, auf dass das Unterbewusstsein sie bei Bedarf assoziativ aufsteigen lässt. Im Falle dieses «Wozzeck» ist es die Spielscheibe, die sich dreht und wendet wie in Trance, ergänzt durch einen Sternenhimmel – eine Vielzahl von aus dem Bühnenhimmel hängenden Glühbirnen –, der Wozzeck ...
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Wenn die Oper in England auf Landpartie geht, geschieht dies in guter Hoffnung auf so viel Sonne, dass das Publikum während der ausgedehnten Pausen sein Picknick-Dinner einnehmen kann. Dieses Jahr indes hatte sich schon Sturmgewölk über der Garsington Opera nahe Oxford zusammengebraut, bevor der Vorhang zu Vivaldis «L’incoronazione di Dario» aufging. Die Erben von...
Wagner, der alte Verführer und Menschenfänger. Ungebrochen entfaltet er seine Wirkung. Mit dem Rausch seiner megalomanen Dramen. Mit der Droge seiner unendlichen Melodien. Mit dem schaurig-schönen Appeal seiner volltönenden Apokalypsen. Das Gespenst seines Genies geht um, wo immer Oper und Musiktheater gemacht wird. Und das seit mehr als hundert Jahren. Bayreuth...
Das hatten wir uns so schön vorgestellt. Der Lederrocker Wotan hat schulterlange Rastalocken und Erda auch. Wie, so malten wir uns aus, muss da ihrer beider Tochter Brünnhilde erst ausschauen? Das Gedankenspiel kam uns am Ende von Wagners «Rheingold». Das war in der vorigen Saison zwar als «Ein Vorabend» untertitelt, nicht jedoch zu den unglückseligen Weiterungen...
