Aaaaahhh
Arme Effi. Wie Theodor Fontane das Schicksal des Mädchens aus dem Havelland in seinem perfekt temperierten Roman beschreibt, geht noch immer unter die Haut. Die ins Korsett erstarrter Gesellschaftsregeln gezwängte Lebensfreude. Das naiv-provinzielle Aufsteigersehnen nach einem Leben in der Berliner Noblesse. Die innere Vereinsamung unter dem Regiment eines Gatten, der in pflichtschuldigem Dienst an König und preußischem Vaterland aufgeht. Die Flucht in eine Romanze mit tödlichem Ausgang. Das Verlöschen der Kräfte, das siechende Ende, von der Welt verstoßen, von Gott verlassen.
Kein Zweifel, «Effi Briest», 1896 erstmals als Buch erschienen, vielfach dramatisiert und verfilmt, ist das deutschsprachige Pendant zu Gustave Flauberts «Madame Bovary». Große Literatur, die weder verklärt noch verurteilt, vielmehr mit menschlichem Maß misst, von Irrungen, Wirrungen und der Macht des Zufalls erzählt, in geschliffener, aus Sympathie gewonnener Sprache.
In 36 Kapiteln entfaltet Fontane die Tragödie seiner ins Nichts gleitenden Heldin. Und exakt 36 – von einem Prolog und Epilog gerahmte – Szenen gliedern auch das musikdramatische Opus, das Siegfried Matthus im Auftrag des Staatstheaters ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Albrecht Thiemann
In den 1980er-Jahren ist es nicht schlecht bestellt um die walisische Musiktheaterszene. Die Welsh National Opera rollt Wagners «Ring» aus, fordert ihr Publikum mit Inszenierungen wie Ruth Berghaus’ «Don Giovanni» oder Harry Kupfers «Fidelio», gewinnt Charles Mackerras als Musikchef, kurz, macht sich international einen Namen. Doch ums zeitgenössische Repertoire...
Seit mehr als einem halben Jahrhundert ermittelt der Deutsche Bühnenverein die wichtigsten Wirtschaftsdaten der Theater und Orchester in Deutschland. Mitte Oktober hat der in Köln ansässige Verband die jüngsten Zahlen veröffentlicht. Sie beruhen auf den Angaben von 142 Staatstheatern, Stadttheatern, Landesbühnen sowie 128 Orchestern, 199 privaten Bühnen und 85...
Wie Schillers Schauspiel ist auch Verdis «Don Carlos» ein Liebes- und Familiendrama in den Dimensionen einer politischen Tragödie. Christof Hetzers Bühne für die Stuttgarter Neuinszenierung zeigt einen leeren, nach allen drei Seiten abgeschlossenen Raum, den der Lichtgestalter Alex Brok oft in ein diffus glimmendes Dunkel hüllt. Dominiert und strukturiert wird er...
