Zu Otello wird man gemacht
Vor zwei Jahren schlug Dmitri Tcherniakovs «Carmen»-Inszenierung in Aix-en-Provence hohe Wellen. Der russische Regisseur und Bühnenbildner hatte Bizets Opern-Blockbuster so radikal umgepolt, dass das Stück bei ihm eigentlich «Don José» heißen müsste. Nicht die Titelheldin, sondern ihr oft als Weichei gezeichneter Lover bildete den Mittelpunkt.
Die Geschichte spielte in einer noblen Psycho-Klinik: Micaëlas ausgebrannter Ehemann soll zur emotionalen Enteisung in einer therapeutischen Versuchsanordnung Don José spielen, rutscht dabei aber mehr und mehr in die Rolle hinein und findet nicht wieder heraus. Der amerikanische Tenor Michael Fabiano machte aus dieser kühnen Regie-These eine erschütternde psychopathologische Fallstudie. Anfangs wechselte er virtuos zwischen Spiel und Ernst, später steigerte er sich furios in mörderischen Wahn – und sang dabei grandios, strahlend, musikalisch hoch differenziert. Eine atemraubende Leistung.
Im Vergleich mit Tcherniakovs Regiepranke ist Bartlett Shers statische «Rigoletto»-Dekoration, die letzte Neuproduktion der laufenden Spielzeit an der Berliner Staatsoper, eine ziemlich blutleere Angelegenheit. Aber der Herzog gehört zu Fabianos ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt August 2019
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Regine Müller
Für Wilhelm Furtwängler war er der «schwärzeste Bass» auf Erden, aber es ist nicht allein dieser Superlativ, der Gottlob Frick (1906-1994) zu einem Jahrhundertsänger machte. Ein unverwechselbares Timbre, makellose Technik und eine unbestechliche künstlerische Integrität zeichneten ihn aus und sicherten seinen Nachruhm. Mehr als fünf Jahrzehnte lang (1934-1985) war...
Für die Griechen war es das Paradies auf Erden, noch im Neuen Testament ein Ort des Segens: der Garten Eden. Betrachtet man das Cover des vorliegenden Albums, das dessen Namen im Titel trägt, beschleichen einen Zweifel an der Plausibilität dieses Mythos: Mag die florale Tapete noch die Aura des Naturhaft-Schönen in sich bergen, deutet schon der knorrige Kaktus auf...
Der Kölner Kardinal muss es wissen. In seinen Ausführungen über «Religion und Humor» zum 200. Geburtstag von Jacques Offenbach hat Rainer Maria Woelki als ersten biblischen Lacher die Reaktion des israelitischen Stammvaters Abraham auf Gottes Verheißung ausgemacht, er, Abraham, werde im hohen Alter noch einmal Vater werden (von Isaak). Es war das Lachen des...
