Nacherzählung
Bloß kein Meer! Wenige Tage vorher zeigte David Hermann in Karlsruhe «Simon Boccanegra» als Stück aus Innenräumen. Bilder des ligurischen Meeres, von dem Text und Musik erzählen, waren verpönt. Verdis «tinta musicale», die das einfängt, was man später «Naturlaut» nannte, prallte auf eine eng bebaute Drehbühne, die sich gänzlich verschließen konnte und kaum Blicke nach draußen freigab (eine Koproduktion mit der Opera Vlaanderen, siehe OW 4/2017). Nun, in Darmstadt, zeigt Dirk Schmeding das Meer als Protagonisten.
Schon bevor der Prolog zu «Simon Boccanegra» einsetzt, kümmern sich Videoprojektionen auf dem Gazevorhang um düster drohende Gischt (Johannes Kulz). Später schaut Amelia in die graue Weite und wendet uns den Rücken zu, als gelte es Caspar David Friedrichs «Mönch am Meer» nachzustellen. Am Schluss, wenn Simon Boccanegra einen langsamen Gifttod stirbt und sich endlich mit seinem adeligen Widersacher versöhnen kann, nehmen Projektionen die ganze Bühne ein. Ebbe und Flut, Sturm und Stille, der kleine Mensch in der Unendlichkeit des Weltenlaufs: Die Metaphern sind klar in Darmstadt. Dirk Schmeding zielt auf eine Parabel und eicht das Stück auf seine Kontinuitäten. David Hermann ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2018
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Stephan Mösch
Nur einem von Emil Nikolaus von Rezniceks 25 Bühnenwerken war ein durchschlagender Erfolg beschieden – der 1894 uraufgeführten «Donna Diana». Auf den Spielplänen sucht man die Oper zwar immer noch vergebens, aber ihre spritzig-eingängige Ouvertüre überlebte im Konzertsaal und ist vermutlich älteren Semestern noch im Ohr als Markenzeichen des ZDF-Musikquiz’...
Die Tonart verheißt nichts Gutes: d-Moll, das klingt nach grimmig-versteinertem Komtur, nach Verderben, nach Tod. Aber genau darum geht es in diesem allegro assai moderato zu Beginn des zweiten Akts, das mit heftigen Oktavschlägen im Orchester einsetzt, zwischendurch beklemmend in die Stille hineinatmet und dann in den Celli jene schmerzensreiche...
Es ist still um ihn geworden. Aber das kennt man. Hans-Joachim Hespos arbeitete stets an den Rändern. Und so ist seine Musik. Eine Randerscheinung. Und: eine Herausforderung. Ein Stück von Hespos hört man nicht einfach so. Man muss hineinkriechen, um sich einen Eindruck von dessen Wesen zu verschaffen.
Das Credo seines Komponierens verdankt sich einem Diktum...
