Fin de Siècle
Seine Kollegen in Essen, Hamburg oder Stuttgart dürften den Frankfurter Intendanten Bernd Loebe beneiden. Während sie selbst sich seit Jahr und Tag mit bescheidenen fünf (Essen sogar nur mit vier) Neuproduktionen pro Spielzeit zufrieden geben müssen, kann Loebe deren elf vorlegen – eine Zahl, aus der die beiden konzertanten Aufführungen in der Alten Oper bereits herausgerechnet sind.
Loebe ist allein schon deswegen im Vorteil, weil er das Opernhaus seit der 2004 erfolgten Trennung von William Forsythe nicht mehr mit der Ballettkompagnie teilen muss und darüber hinaus mit dem Bockenheimer Depot über eine zweite Spielstätte verfügt. Dort hat die Frankfurter Dramaturgie im Lauf der Jahre höchst gegensätzliche, künstlerisch aber allemal markante Schwerpunkte gesetzt, die den opulenten Spielplan ergänzen und hier besser aufgehoben sind als im Opernhaus. Das gilt gleichermaßen für die Barockoper (u. a. mit einem Monteverdi-Zyklus) wie für die diversen Spielarten des modernen Musiktheaters (u. a. mit Werken von Britten, Georg Friedrich Haas, Jörn Arnecke und Helmut Oehring). Aber auch Randnischen des Repertoires wurden mit Haydns «L’isola disabitata» oder Mozarts «La finta semplice» in ...
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Opernwelt März 2011
Rubrik: Magazin, Seite 62
von Uwe Schweikert
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Kulturtransfer, Identität: Sind das nicht genau jene Worthülsen, die im Moment immer dort kursieren, wo über Kultur geredet wird, und hinter denen sich eine zugleich banale und folgenreiche Erfahrung verbirgt: die Erfahrung, dass unsere Kultur- und natürlich auch unsere Musikszene in einer Weise vielfältig geworden ist, die es den Verantwortlichen, aber auch den...
«Meine Erfahrung mit ‹Fidelio› ist eine ganz einfache: Ich bin als Zuschauer immer eingeschlafen, wenn ich diese Oper gesehen habe. Deshalb habe ich mich gefragt: Schaffst du eine Inszenierung, bei der das Publikum nicht einschläft? […]. Es ist eine wunderbare Oper, aber sehr statisch. Bewegung zu schaffen war die Herausforderung.» So formulierte Manfred...
