Monodenschau

René Jacobs zähmt Cavalieris «Rappresentatione di anima et di corpo»

Opernwelt - Logo

Hätte Emilio de’ Cavalieri seine «Rappresentatione di anima et di corpo» ein paar Monate später geschrieben, wäre die Musikgeschichte ein wenig übersichtlicher. Dann nämlich bliebe es dabei, dass die «Euridice» des Gattungserfinders Jacopo Peri auch die erste vollständig erhaltene Oper ist. So aber droht ihr Cavalieris ebenfalls im Heiligen Jahr 1600 uraufgeführtes Stück den Titel streitig zu machen: Dessen Dialoge sind nämlich ebenfalls im neuen monodischen Deklamationsstil geschrieben, man kann es also als geistliche Oper betrachten.

Das hat seinen Reiz, weil das Opus mit seiner Vielzahl an Chören und Instrumentalstücken den attraktiveren Gattungsauftakt darstellt. Gegenargument: Der Titel «Rappresentatione» schließt das allegorische Spiel um den Widerstreit von Körper und Seele an die seit dem Mittelalter bestehende Tradition des geistlichen Theaters an, auch wenn es dieses stilistisch neu beleben will.

2012 brachte René Jacobs das Stück zusammen mit dem Regisseur Achim Freyer auf die Bühne der Staatsoper Berlin. Die vorliegende Aufnahme, entstanden im Anschluss an die Aufführungsserie, dokumentiert dabei kein abgeschlossenes «Werk». Es ist das übliche Problem: Cavalieris ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Carsten Niemann

Weitere Beiträge
Was kommt...

Geheime Gärten
Ein «Sunken Garden» bei Michel van der Aa, der Nicht-Ort zwischen Leben und Tod in Glucks «Orfeo», die Kunstinsel Elysium in Schrekers «Die Gezeichneten» – das Opernfestival in Lyon ist eine Reise in verrätselte Reiche. 

Maskerad’
Octavian war einst ihre Paradepartie, heute führt Brigitte Fassbaender beim «Rosenkavalier» Regie. Wie jetzt in Baden-Baden...

Ein Held der Selfie-Zeit

Ein falscher Fuffziger, dieser Siegfried. Zwar erklärt er, «ihrem Manne gehorchte Brünnhild eine volle bräutliche Nacht», doch als Gutrune eifersüchtig zu bedenken gibt, dass er ja selbst in Gestalt dieses Mannes Gunther um die Walküre geworben hatte, antwortet er kryptisch: «So nah – war Brünnhild ihm fern». Banal gesagt: «Okay, Honey, ich hab mit ihr geschlafen –...

Cowboy-Oper

Die Hoffnung, dass alles schon irgendwie gutgehen wird – in Annie Proulx’ Wyoming-short stories wird sie kunstvoll langsam, aber gnadenlos zermalmt. Vielleicht ist es das, was Charles Wuorinen bei der Veroperung von «Brokeback Mountain» (siehe OW 3/2014) mit seinen unwirschen Orchestertexturen einfangen wollte. Sie treffen den Nerv der zermürbenden Streitereien,...