Ein Schiff wird kommen
Sie stehen zwar nicht ganz im Dunkeln, aber doch im Schatten: die späten Musiktheaterstücke von Kurt Weill. Der amerikanische Weill wird noch immer gern mit deutscher Herablassung abgekanzelt: ein Kunstschaffender, der am Broadway fremdgeht. Als habe Weill seine Heimat frei- und mutwilig verlassen.
Wenn die Niedersächsische Staatsoper jetzt seine «Lady in the Dark» wieder ins Scheinwerferlicht holt, dann ist das mehr als nur eine späte Rehabilitierung, nämlich ein Glücksfall.
Die letzte Aufführung dieses Werks liegt fast drei Jahrzehnte zurück, selbst das Weill-Fest in Dessau hat die «Lady» nur als Stückwerk in einem Bühnenkonzert zitiert. Damit aber wird man diesem Musical, das eigentlich ein Schauspiel mit Musik ist, nicht gerecht. Immerhin ist der (von Roman Hinze dezent aktualisierte) Text länger als die Musik, auf die man obendrein rund zehn Minuten lang warten muss. Und eine Ouvertüre gibt es erst nach der Pause.
Es wird viel geredet, denn wir sind hier Bobachter einer Psychotherapie. Liza Elliott, Herausgeberin eines Modemagazins, kann sich nicht entscheiden: weder bei der Titelstory für das nächste Heft noch beim Mann fürs Leben. Also legt sie sich auf die Couch. Vor 70 ...
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Opernwelt Dezember 2011
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Rainer Wagner
Sänger, die sich am eigenen Stimmklang berauschen und diesen Rausch inhaltsleer aufs Publikum übertragen, die jede tiefere, übers Gesangsplakat hinausgehende dramatische Aussage über eine Figur verweigern, sind traditionelle Feindbilder des Musiktheaters. Virulent werden diese nun erneut bei Angela Gheorghius neuem Studio-Recital «Homage to Maria Callas». Denn was...
Wenigstens einmal im Leben wollte sie auf die Marathonstrecke. Wie sich ein Frauenautomat anfühlt, das hat Diana Damrau zwar vor zwölf Jahren schon einmal in Mannheim ausprobiert. Doch Olympia und Antonia und Giulietta und Stella, dieses Viererpack schulterte der Weltstar aus Günzburg nun erstmals an der Bayerischen Staatsoper. Kein Fall für die Regie-, wohl aber...
Der Dichter spricht. Oder präziser: Er schreibt – und das mit jener sowohl dem Gegenstand als auch der Adressatin seiner Betrachtungen angemessenen Euphorie: «Ja, meine Geliebte, hier bin ich endlich angekommen, hier, wo ich schon lang einmal hätte sein sollen, manche Schicksale meines Lebens wären linder geworden. Doch wer kann das sagen, und wenn ich’s gestehen...
