Klangereignis
Das Bühnenbild von Hans Dieter Schaal spielt auf höchst originelle Art mit der Doppelbödigkeit des Stoffs: Die linke Bühnenhälfte zeigt mehrfache Verglasung und ein blendend weißes Stiegenhaus. Das Innere eines modernen Gebäudes, einer psychiatrischen Klinik vielleicht. Rechts hat Paul, die Hauptfigur, in seiner fetischistischen Trauer um seine verstorbene Frau einen Erinnerungstempel eingerichtet, der, mit Halbbogensäule und schwerem rotem Vorhang, an eine Theaterbühne erinnert.
Regisseur Nicolas Brieger deutet Pauls Wahnvisionen ganz in C. G.
Jung’scher Manier als psychischen Defekt, als Schizophrenie. Immer wieder bevölkern gesichtslose blasse Figuren Pauls Traum oder eben seinen Wahn. Diese Interpretation mag einem Trend folgen, aber sie ist schlüssig, und die Bilder wirken nachhaltig. Ein häufig aktiviertes szenisches Element ist eine Filmkamera auf der Vorderbühne, mit der Paul Stummfilmsequenzen seiner Verstorbenen vorführt – eine Anspielung auf Korngolds spätere Karriere als Filmmusikkomponist?
Ob Paul am Ende von seinem Wahn geheilt ist, wie dies in allen Handlungsresümees behauptet wird, darüber lässt sich streiten. Nicolas Brieger hat das in seiner Genfer Inszenierung ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Das Cottbuser Staatstheater hat sich unlängst einen Deus ex machina zugelegt – er hört auf den Namen Tamino. Gleich nach der Ouvertüre fällt er, ein Bruchpilot mit ledernem Fliegerkäppi, vom glühbirnenflammenden Bühnenhimmel, um eine in ramponierten Beziehungskisten erstarrte Kommune aufzumischen, die man eher bei Beckett oder in der Rocky Horror Picture Show als...
Es war kein Abend des Bühnenbildners. Ein zum Käfig umfunktioniertes Bettgestell für Tatjanas Briefszene und ein schmaler Steg für das Duell sind die einzigen nennenswerten «Bauten» in David Hermanns Inszenierung von «Eugen Onegin». Es sind die Menschen, die die Bühne beherrschen: ihre Unfähigkeit sich zu begegnen, die unausgesprochenen Sehnsüchte, die...
Mit der «Gans von Kairo» («L’oca del Cairo») wollte Mozart 1783, kurz nach der «Entführung», Buffa-Terrain entern. Mit wenig Erfolg. Zu lange und zu stumm sitzen die Mädels, die von Don Pippo vor Liebesanwärtern versteckt werden, im dunklen Turm. Bis zur titelgebenden Gans (dem «Trojanischen Pferd» des Stücks) komponierte Mozart nicht mehr. Stattdessen präsentiert...
