In Hülle und Fülle
Fesch sind sie beide, doch in ihrer Erscheinung unterscheiden sie sich deutlich: Klaus Florian Vogt, der blonde deutsche Held, und Jonas Kaufmann, der «Latin Lover» aus München. Ihr Singen entspricht dem äußeren Bild: Hell, fast weiß – für seine Fans wie Sekt, für weniger Begeisterte wie Selters – klingt die Stimme Vogts; jene Kaufmanns hat die rubinrote Farbe dunklen, süffigen Rotweins.
Ihre Wagner-Recitals bieten zugleich die Konfrontation zweier Gesangstechniken: Vogts schlanke, kopfige Tongebung scheint sich eher an der (deutschen) deklamatorischen Art zu orientieren – wenngleich man ihm die typische «Wagner-Deklamation» nicht unbedingt vorwerfen möchte. Kaufmanns Art hingegen, stets sul fiato zu singen, dabei den ganzen Körper als Resonanzraum zu nützen, bringt mediterrane Fülle.
Dass der Münchner sich mit aufgeblähter mezza voce ums Piano herumschmuggele, wie es ihm mal nachgesagt wurde, widerlegt er hier mit Im fernen Land (in der zweistrophigen Originalversion) eindeutig: Er beginnt beinahe im Pianissimo, mit warmem, erfülltem Ton auf dem Atem. Der gewohnten Erscheinung Lohengrins mag er nicht ganz entsprechen – weswegen Regisseur Claus Guth zur Eröffnung der diesjährigen ...
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Opernwelt März 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Gerhard Persché
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