Unter Segel
Theaterhäuser gehören schon relativ lange zur Geschichte Australiens – doch dass es Freiluftaufführungen nach europäischem Modell gibt, ist eine Entwicklung neueren Datums, einfach, weil es in der Regel zu heiß ist. In der Premiere von Alan Johns «Sydney Opera House» – der ersten Neuinszenierung dieser «Oper zur Oper» (1995), jetzt auf dem Vorplatz derselben aufgeführt – hatte das Publikum allerdings nicht mit sengender Sonne, sondern mit Nieselregen zu kämpfen.
Es mag merkwürdig klingen, ein Gebäude zur Hauptfigur zu küren.
Doch bekanntermaßen ist die Entstehung dieses australischen Wahrzeichens in der Tat eine packende Geschichte. Hochfliegende architektonische Ambitionen, politische Querelen, Rufmord, niederer Opportunismus – alles kommt vor. Trotzdem hat das Produktionsteam von Opera Australia jetzt mit dem Versuch, die Dramatik griffig einzufangen, draußen auf der Freitreppe nicht mehr Erfolg als die Vorgänger vor zwanzig Jahren drinnen.
Daran sind weder der Regisseur David Freeman noch der Musikchef Anthony Legge schuld; es liegt am Stück. Dennis Watkins Libretto ist lang und umständlich, um nicht zu sagen: geschwätzig. Nur in wenigen Szenen wird der vorhandene Zündstoff ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Panorama, Seite 50
von John Carmody
In den letzten, pompös-auftrumpfenden, musikalisch aber brüchigen Takten verschwindet er: Calaf, der Prinz aus der Fremde, der Turandot so sehr begehrt, dass er für sie sein Leben aufs Spiel setzt. Verschwindet in der Menge, die soeben noch rabiat seine Verbindung mit Turandot eingefordert hat. Calaf aber traut dem Frieden nicht (ganz wie einst Puccini), und er tut...
Die deutsche Spieloper: ein Schmerzenskind. Sogar der ehemals so beliebte Lortzing ist mit Werken wie «Der Wildschütz» oder «Zar und Zimmermann» ein seltener Gast auf den Bühnen. Kreutzers «Nachtlager in Granada» und Nesslers «Trompeter von Säckingen» werden seit Generationen gemieden, selbst ein Meisterwerk wie Nicolais «Lustige Weiber» hat es schwer – sicher...
Auch 2016 stehen wieder drei Raritäten auf dem Spielplan des Wexford Festivals. Die erste dürfte CD-Afficionados längst bekannt sein: Félicien Davids «Herculanum» kam letztes Jahr in einer Edition des Palazzetto Bru Zane auf den Markt (siehe OW 11/2015). Uraufgeführt wurde das Stück 1859 in Paris – als einzige Grand Opéra eines Komponisten, an den man sich heute...
