Der Tod und die Sonnenblumen
Viel Euphorie beim Mittagessen. Zürichs Opernintendant Alexander Pereira sprach voller Freude und fast schon bewegt von der Übereinkunft, die er mit Franz Welser-Möst erzielt hat. Zunächst Chefdirigent, dann, als er zum Music Director des Cleveland Orchestra avancierte, nur noch «Principal Conductor», will der unterdessen Fünfundvierzigjährige österreichische Dirigent sich wieder stärker einbringen und trägt dafür einen für Zürich neuen Titel: den des Generalmusikdirektors.
Viel Puccini-Flair dann am Abend.
Welser-Möst hatte die für den verstorbenen Marcello Viotti gedachte «Bohème»-Einstudierung übernommen, und da war wieder, was Pereira so an ihm gepriesen hatte: die Zartheit, die Intimität seiner Interpretation. Es ist eine nachgerade seismografische Puccini-Annäherung. Da paaren sich die orchestralen Exaltationen mit den deskriptiven Impressionismen, verknüpfen sich die behutsam ertüftelten Holzbläserdetails mit dem ungeheuer geduldig, mitunter geradezu zeitlupenhaft ausgekundschafteten Melos, bei Mimis aufs Liebevollste ertastetem Auftritt etwa. Und da wölben sich die von langer Hand angesteuerten riesigen Ausdrucksbögen. Obendrein ein so gar nicht vordergründiger Puccini – ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Keinen Zweifel lassen der kanadische Dirigent Yves Abel und Stephen Medcalf, in vielen Inszenierungen ein Meister der psychologisch raffinierten Aussparung, an der Brutalität der Novelle Mérimées, die von Bizet keineswegs in jenen süßlichen Kitsch pseudospanischer Folklore übersetzt wurde, wie eine lange (schlechte) Tradition es gern sieht. Bizet komponiert Szenen...
Es scheint, als hätten Barockmusik und Gegenwart einen geheimen Pakt geschlossen. Noch nie wurde die Musik des 17. und 18. Jahrhunderts so häufig aus den Archiven heraus- und auf die Bühnen bzw. in die Produktionsstudios hineingetragen wie im letzten Jahrzehnt. Nun feiert wieder einer der damals bejubelten, dann vergessenen Komponisten seine Auferstehung: Johann...
Dieser im Klangbild klare, rauscharme, wenn auch mit kleinen Aussetzern behaftete und in den großen Chorszenen manchmal etwas detonierende Premieren-Mitschnitt des «Rienzi» (TKM Records Slovenia Sazas) ist ein Unikum: eine auf die Hälfte des Originals – oder dessen, was gedruckt überliefert ist – eingedampfte Bearbeitung mit Wagners nachkomponiertem heroischen...
