Dvorák: Rusalka

Münster

Opernwelt - Logo

Dvoráks zeitgleich mit Debussys «Pelléas et Mélisande» und Strauss’ «Salome» entstandene vorletzte Oper «Rusalka» ist wie die Opern der beiden jüngeren Komponisten ein Kind des musikalischen Fin de Siècle. Heinz Lukas-Kindermann verstärkt diese alptraumhaft verstörenden Züge in seiner Münsteraner Inszenierung und gibt dem Wunschtraum der von der schnöden Menschenwelt betrogenen Nixe eine entschieden psychoanalytisch unterfütterte Richtung.

Er zeigt uns die in einer überdimensionierten Puppenstube den Märchenprinzen ersehnende Seejungfrau zu Beginn als bein­­amputiertes, an den Rollstuhl gefesseltes Zwitterwesen. Die erhoffte Wunsch­erfüllung nach einem anderen Leben an der Seite des Geliebten erweist sich als Katastrophe: Nur um den Preis einer erneuten Verstümmelung – dem Verlust der Sprache – kann Rusalka Menschengestalt annehmen, ist damit aber zugleich wieder aus der Menschenwelt ausgeschlossen. Ihre Emanzipation führt zur bitteren Erkenntnis, dass auf Prinzen und Träume kein Verlass ist. Wie Ibsens Nora verlässt sie am Ende, nach dem Todeskuss für den Prinzen, ihr Puppenheim auf dem Weg in eine ungewisse Zukunft.
Leider vermag Lukas-Kindermanns arg konventionelle ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2006
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 50
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Pogrom im Fischerdorf

«Peter Grimes», denkt man bei sich, das ist die unumgängliche Realismus-Pusselei der Bootspflege, des Netzeflickens, der morgendlichen Verrichtungen am Meer. Ja, meint man weiter, es muss in Benjamin Brittens Oper nach Salzwasser, nach Fisch riechen. Mag sein, dass es das in Zürich am Rande auch tat. Auf Robert ­Israels zweistöckiger Bühne war allerdings wenig vom...

Gluck light

«Einstweilen (...) singe ich unter anderem gar oft und mit unaussprechlichem Vergnügen die Partie des Oedib in der Musik von Sacchini. Sie ist bei uns (in Berlin) gegeben worden, wie man mir gesagt hat, und hat wenig Beyfall gefunden; gewiss nur bey denen, die es nicht verstehen, innere Schönheiten eines Kunstwerkes durch eine fehlerhafte Exekution durchzufühlen;...

Farbiges Kaleidoskop

Die Werkgeschichte von Karl Amadeus Hartmanns «Simplicius Simplicissimus» nach dem Roman von Grimmelshausen ist nicht ganz unkompliziert: Dem Werk von 1935/36 fügte Hartmann 1939 noch eine ausgedehnte Ouvertüre hinzu. Aber erst 1948 konnte unter dem ursprüng­lichen Titel «Des Simplicius Simplicissimus Jugend» im Bayerischen Rundfunk die konzertante Uraufführung...