Belcanto mit Joghurt
Doch. Man wird bei Laura Scozzis Neuinszenierung von «Benvenuto Cellini» drei Stunden lang gut, teilweise sogar blendend unterhalten. Aber nach der mit Spannung erwarteten ersten Opernpremiere des neuen Staatsintendanten Peter Theiler vermag ich dennoch nicht in Jubel auszubrechen. Denn der Abend war zwar kurzweilig und in sich stimmig, er bot zum Teil großartige Stimmen, aber er hat nicht wirklich berührt. Das hat natürlich auch mit dem Stück zu tun, nicht nur mit der Interpretation.
So ungewöhnlich die Handlung ist (mit einem (selbst-)verliebten Künstler, Handwerker, Charmeur und Mörder als Titelhelden, mit den ersten streikenden Arbeitern der Opernbühne und einem – hier kiffenden – Papst), so ungewöhnlich ist auch die Musik: Sie sprengt zwischen Opéra comique und großer Oper alle Gattungs- und Stilkonventionen, pendelt zwischen heroischen und komödiantischen Szenen, romantischem Gefühl und buffoneskem Humor. Die Regisseurin hat sich, auch wenn sie damit die ursprüngliche Intention des Komponisten trifft, allzu sehr aufs Komödiantische verlegt. Sichtlich kommt sie von der Choreografie. Sie versetzt das Werk in die Gegenwart, distanziert sich vom hohen Opernsockel und wirft sich ...
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Es ist nicht unbedingt ein gutes Zeichen für den Kulturbetrieb, dass die Debatten um die großen Institutionen primär den Namen gelten. Aus der Sache heraus wird selten argumentiert. Stattdessen erhält die obligate Frage: Wer wird’s? immer mehr Gewicht. Noch bei der Soap Opera um die Bayreuth-Nachfolge konnte man sich kaum des Eindrucks erwehren, dass es nicht in...
Schauplatz Hamburg. Siegmund, mit Dreitagebart und im Parka, steht nach dem Gewoge des Gewitters wie eine Wachs- oder Robert-Wilson-Figur vor der kahlen Küchenzeile, in der Hunding haust. Ein Fremder schreitet vorbei, schnippt mit den Fingern und löst die Figuren aus der Erstarrung. Der Sinn erschließt sich erst mit Beginn des zweiten Aktes. Der Fremde ist Wotan,...
Nachdem Herbert von Karajan im September 1956 (Karl Böhm hatte demissioniert) die Leitung der Wiener Staatsoper übernommen hatte, erfüllte sich ein Jahr darauf sein schon 1946 erhobener Anspruch, die künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele, bis dahin wahrgenommen von Wilhelm Furtwängler, Oscar Fritz Schuh, Caspar Neher und Gottfried von Einem, zu...
