Individualität unerwünscht
In den letzten, pompös-auftrumpfenden, musikalisch aber brüchigen Takten verschwindet er: Calaf, der Prinz aus der Fremde, der Turandot so sehr begehrt, dass er für sie sein Leben aufs Spiel setzt. Verschwindet in der Menge, die soeben noch rabiat seine Verbindung mit Turandot eingefordert hat. Calaf aber traut dem Frieden nicht (ganz wie einst Puccini), und er tut gut daran! Denn in diesem modernen Überwachungsstaat spielt der Einzelne keine Rolle mehr.
Wie Arbeitsbienen werden die Menschen in wabenähnlichen Gebilden gehalten, bewacht von grau gekleideten Wesen, die offenbar mit Elektroschockern für «Ordnung» sorgen. Individualität ist hier ganz und gar nicht erwünscht, sie wird hinter Sonnenbrillen, unter Kapuzen und in schwarzen Einheits-Overalls versteckt. Nur ab und zu spuckt die Menge einen der Ihren förmlich aus, um ihn anschließend ins Blutbad zu zwingen – dann nämlich, wenn Turandot wieder einmal einen Bewerber, der ihre drei Rätsel nicht lösen konnte, von einer Art riesigen Schiffsschraube zermalmen lässt.
Nicht alles in dieser bildstarken Inszenierung von Balázs Kovalik (Bühne: Heike Scheele) ist bis ins Detail nachvollziehbar. Die Konsequenz aber, mit der Kovalik den ...
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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Bettina Volksdorf
Herr Gardiner, von Ihrem Kollegen Nikolaus Harnoncourt stammt der Satz: «Bei ‹historisch informiert› wird mir schlecht!» Wie sehen Sie das?
Ganz ähnlich. Harnoncourt war ein großartiger Mensch und ein großer Pionier. Es gibt für das, was wir tun, keinen Titel, den ich wirklich passend finde. Ich habe mich nie als Spezialisten verstanden. Aber schwerer zu ertragen...
Ein hochmodernes Forschungslabor hat sich der Oberaffe Mustafà bauen lassen, um das Gefühlsleben der Menschen zu erforschen. Seine Horde konnte ihm ein Prachtexemplar einfangen, das nun in einem Glaskäfig gehalten und akribisch untersucht wird. Da sein Interesse längst nicht mehr dem Affenweibchen Elvira gilt, soll ihm sein Laborleiter Haly nun eine menschliche...
Herr Loy, Sie gelten unter den heute wichtigen Regisseuren als der große Diven-Versteher. Niemand hätte gedacht, dass Edita Gruberova so spielen kann wie bei Ihnen. Auch mit Jennifer Larmore sind Sie ganz neue Wege gegangen, ebenso mit Nina Stemme und Marlis Petersen. Und von Agneta Eichenholz hört man eigentlich immer nur, wenn Christof Loy inszeniert. Wie...
