«Man sieht das Wirkliche»
Herr Harnoncourt, Sie beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit dem Werk Mozarts. Was ist für Sie die größte Herausforderung, wenn Sie sich auf eine neue Produktion wie den «Idomeneo» vorbereiten?
Ich möchte die Grundidee des Komponisten jedes Mal wieder neu finden. Der Grazer «Idomeneo» ist mein dritter Anlauf zu diesem Stück, es gibt kaum eine Oper Mozarts, die ich nur einmal gemacht habe. Übrigens ist Mozart für mich wahrscheinlich der einzige Komponist, der immer Theatermusik schreibt.
Ich fand schon seit jeher in jeder Violinsonate, in jeder Kammermusik, in jeder Sinfonie Musiktheater. Insofern kann ich bei Mozart Oper von Instrumentalmusik nicht trennen.
Sind die Opern Mozarts – weil hier das Theater sichtbar ist – leichter zu interpretieren als seine Instrumentalmusik?
Wahrscheinlich ja, das Szenische hilft. Selbst wenn man es konzertant macht, hilft die Textierung – man kann erkennen, ob sie durch die Musik unterstützt wird oder ob es Subtexte gibt, was bei Mozart sehr oft der Fall ist. Im Gegensatz zum Sprechtheater kann ich in der Musik einen Text und zugleich zwei, drei Subtexte vermitteln. Wenn man das nicht erkennt, entsteht eine Orchesterbegleitung und so ein die Idee der ...
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