Die Crux mit den letzten Dingen
Die ewigen letzten Fragen, sie sind auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch für eine Oper gut. Nicht, dass die Mär von Doktor Faustus, in vielen Drehungen und Wendungen vom leibhaftigen Mannsbild des fünfzehnten Jahrhunderts (Georg Faust aus Knittlingen) zur Volkssage und schließlich zu einem der meistverhandelten Topoi der abendländischen Literatur avanciert, in der Musiksphäre zuvor kein Interesse gefunden hätte. Faust-Werke mit Sang und Klang lassen sich beinahe dreihundert Jahre zurückverfolgen.
Und es waren keineswegs nur deutsche Komponisten, die – mit Goethes «Faust», der Deutschen heiligsten Dichterworten, unter dem Notenblatt – zu ergründen suchten, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Zwar hat der ob seiner Schwäche fürs Grundsätzliche und die faustische Zwei-Seelen-Lehre dem Stoff zugeneigte teutonische Geist durchaus eine eigene Tradition musikalischer Annäherungen hervorgebracht – die Ahnengalerie reicht hier von Louis Spohr und Robert Schumann bis zu Hanns Eisler und Wolfgang Rihm. Auch Tonsetzer italienischer Abkunft zeigten ein besonderes Faible für die vertrackte Materie (Arrigo Boito, Ferruccio Busoni, Luca Lombardi). Das gelobte Land aller ...
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Am Anfang war Astrid Varnay. Ihr verdankte ich den persönlichen Kontakt zu Birgit Nilsson. Ich wollte mit der großen schwedischen Sopranistin über ihr Leben und ihre Kunst reden. Sie hatte sich schon weitgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, gab nur noch selten Interviews. Ein lapidares Fax aus Schweden erreichte mich, einen Tag nachdem ihre Freundin Astrid...
Zwischen Farce und Drama liegt manchmal nur ein Augenblick. Ist die Stimmung gerade noch heiter überdreht, funkt plötzlich das böse Schicksal dazwischen und bringt alles auf Tragödienkurs. Die Lacher verstummen, die Mienen verdunkeln sich. Die Lust am schrillen Unsinn schlägt jäh in depressiven Tiefsinn um. Und doch kommt die Nähe des scheinbar Disparaten nicht...
Es ist mir noch wie gestern, dass 1958 ein blond gelockter junger Mann unser Haus betrat und mich mit seinem Klavierspiel samt souveränem Vom-Blatt-Lesen verblüffte. Ich hatte mich nach einem Korrepetitor umgesehen, und mein Lehrer Hermann Weißenborn gab Ariberts stets aufmerksamer Mutter Irmgard Reimann den Rat, es doch einmal mit mir zu versuchen. Aber was ich...
