Neue Liturgie
Dass Oper in Film und Fernsehen oft wie eine verarmte Adelige wirkt, die sich einem Parvenü anbietet, mag arrogant klingen – ganz falsch ist die Behauptung nicht. Denn das Atmosphärische des echten «Live» fehlt gerade bei einer Oper wie «Parsifal» – das wird selbst Peter Gelb zugeben müssen, der betriebsame Generalmanager der Met, der mit seinen Live-Übertragungen in weltweit etwa 2000 Kinos Furore macht.
Auch wenn die Met stets einen «Moderator» einsetzt, der Brücken zu einem mit der Oper vielleicht nicht so intimen Publikum bauen soll (im Fall dieses nun auch auf DVD vorliegenden «Parsifal» den als Wagner-Sänger verdienten, aber eher uninspiriert wirkenden Eric Owens). Und selbst wenn die Tontechnik Saltos schlägt und die Bildregie aus der quasi eine neue «Parsifal»-Liturgie (mit hollywoodesken Elementen) beschwörenden Inszenierung des Franco-Kanadiers François Girard Details in High Definition heraushebt, die im Haus so wohl nicht zu bemerken waren. Im Unterschied zu den New Yorkern, die mit ihrer «Met Opera HD live» eine eigene Kunstform kreieren möchten, deklariert sich die Brüsseler Einspielung ehrlicherweise als «Archivdokument, ausgehend von der Aufzeichnung einer einzigen ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 18
von Gerhard Persché
Als Thriller im Kammerspiel-Format zeigt der Regisseur Tobias Kratzer am Luzerner Theater Bizets «Carmen». Seine Inszenierung beginnt da, wo der dritte Akt der Oper endet: Carmen hat Don José verlassen und ist zum Torero Escamillo gezogen. Der Bühne von Rainer Sellmaier zeigt ein Zimmer in Escamillos Wohnung in einem unwirtlichen Betonbau. Über dem Flachbildschirm...
Jedes Jahr am 12. Oktober bekam der junge Mauricio Kagel in Buenos Aires Magengrimmen. Denn an diesem Datum feiert Argentinien die Entdeckung Amerikas mit einem «Día de la raza» («Tag der Rasse»), dem Kolumbus-Tag, einem chauvinistischen Fest zu Ehren der Kolonialisierung. Dies lag Kagel schon aufgrund seiner jüdisch-russisch-deutschen Herkunft stets stagelgrün...
Wir wussten, dass Gerard Mortier nicht mehr viel Zeit bleiben würde. Dass er den Tag im Mai, an dem «Opernwelt» und der «Ring Award» in Graz sein Lebenswerk mit einem neuen Preis für Musiktheater, dem «Mortier Award», würdigen werden, womöglich nicht mehr erleben könnte. Er hatte sich sehr über die Initiative gefreut und die Statuten des Preises mitbestimmt. Nun...
