Flower-Power

Linz: Wagner: Die Meistersinger von Nürnberg

Opernwelt - Logo

Im gegen den Zuschauerraum weiß abgeschirmten Bühnenportal tut sich während der Ouvertüre ein kleines Rechteck auf, man sieht altertümliche Modellhäuschen, Giebelchen, Türmchen. Dann kommen Kinder und räumen das Ganze weg, auf Nimmerwiedersehen. Alt-Nürnberg als Kinderkram? Bezieht der Titel dieser Oper sich nicht metaphorisch, aber eindeutig auf das Nürnberg der Zünfte, also auf eine bestimmte Stadtwelt in einer bestimmten Epoche? Gewinnt der Ort seine künstlerische Überzeugung nicht gerade daraus, dass er auch als geschichtlicher verwirklicht wird? Gehört das Nürnberg des 16.

Jahrhunderts nicht, wie Carl Dahlhaus feststellte, zur Substanz dieser Oper?

Olivier Tambosi, Regisseur von Wagners «Die Meistersinger von Nürnberg» in Linz, sucht statt der Nürnberger Enge die weite Welt. Nachdem die Modellhäuschen abgeräumt sind, schlendern Männer und Frauen auf die inzwischen offene Bühne – in Jeans und T-Shirts, Letztere mit Namen von Städten aller Kontinente bedruckt (nur Nürnberg scheint nicht dabei). Auf eine Art Brecht-Gardine sprayt jemand «Hier gilt’s der Kunst», jenes Zitat aus den «Meistersingern», mit dem die Brüder Wagner sich nach dem Krieg erbaten, «von Gesprächen und Debatten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2010
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Im Geiste Puccinis

Daniel Catáns neue Oper «Il postino» («Der Postbote») ist clever gebaut und klingt wohltemperiert. Sie reiht sich in die kurze Liste jener Werke ein, deren titelgebende Figur nicht unbedingt die wichtigste oder interessanteste ist. Die Vorlage lieferte der gleichnamige italienische Film aus dem Jahr 1994. Es geht um einen Briefträger, der auf einer kleinen,...

Gestaute Zeit

Sein großes Verdienst ist, dass er Wagner nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in
St. Petersburg hoffähig gemacht hat. Mit «Lohengrin», «Holländer», dem ganzen «Ring» und mit «Parsifal»: Valery Gergiev, der Unermüdliche, hat nach russischem Repertoire (klar!) und Ausflügen ins italienische Fach (etwa mit der in Petersburg uraufgeführten Originalfassung von Verdis...

Erinnerung: Prinzipientreu und wandlungsfähig

Zum letzten Mal getroffen habe ich Joachim Herz am 2. Oktober dieses Jahres: Anlässlich eines Symposions über Kurt Weill in Dresden hielt er einen Vortrag über seine interpretatorischen Prinzipien und szenischen Lösungsstrategien, speziell im Hinblick auf Brecht-Weills «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny». Die Inszenierung 1977 war sicher eine seiner besten...