Kabinettstück
Die Frage nach dem feurigen Engel ist keine, die durch Magie, Wissenschaft oder Theologie beantwortet werden kann. Er ist Symbol, genauer: projizierter Fixstern im jungen Leben Renatas. In Kindertagen war er ihr (einziger?) imaginierter Spielkamerad, in der Pubertät mutierte er zum angstbesetzten, unkontrollierbaren Zerrbild körperlicher Begierden. Dämonisierte Sexualität also, die wie ein Irrlicht in ihrer Seele flackert und Renata im realen Leben zu einem zerrissenen, liebesunfähigen Wesen macht.
Regisseurin Emma Dante findet für dieses zentrale Symbol in Prokofjews musiktheatralischem Vermächtnis eine kongeniale Lösung: ein koboldhaft kostümierter Breakdancer (Alis Bianca) verkörpert Renatas Seelenleiden durch verspielte Agilität, vitalisierende Erotik, abrupte physische Bedrängnis und Entzug. Damit ist er Wunsch- und Gegenbild zu ihrem biederen Rock, der Rüschenhaube, den weiten, den Körper zum Verschwinden bringenden Roben der sakralen Uniformierung im finalen Klosterbild. So eindeutig das Detail, so doppelbödig ist die szenische Komposition: Kostüme und Bühnenbild evozieren zwar historisches Kolorit, zitieren Merkmale eines progressiven, doch verunsicherten 16. Jahrhunderts, ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Richard Erkens
Nebel lastet auf Cornwall, tiefe Trübsal, auswegloser Schmerz. Schwer atmet die Musik, beinahe so, als wäre sie zu Eis erstarrt, als gäbe es kein Morgen mehr. Doch kein Orchester spiegelt, in den uns bekannten, chromatischen Seufzern, diese Tristesse, sondern ein Klavier. Und deswegen ist es eben auch nicht jener irische Küstenort, an dem, tödlich verwundet,...
Eine Liebesgeschichte mit tragischem Ausgang. Der Schauplatz: die Bretagne im Mittelalter, ein stereotypisches Nordland mit Seen, Schlössern, Kirchen und Hirschjagden, nebelverhangen. Die Handlung: gespickt mit Eifersuchtsdramen, einem Duell, einem Hexenprozess und vermeintlichen Todesfällen. Der krause Plot und das Schauerambiente inspirierten Bellini zu einer...
Die Sache mit der Banane, das spürte er, war keine gute Idee. Das Zweit-Rendezvous fällt daher anders aus, im schimmernden Rokoko-Gewand, das Affen eher selten tragen. Und nun mit einer silbernen Rose in der Hand, an der die Angebetete schnuppert: «Hat einen starken Geruch …»? Zu diesem Satz kommt es nicht, wir befinden uns schließlich bei Hans Werner Henze. Aber...
