Ist da etwas oder ist da nichts?
Tallinn, Ende August. Es gießt in Strömen. Die stolze Hansestadt liegt unter grauen Schleiern, die Stimmung ist herbstlich. Tiefe Pfützen stehen auf dem Weg zur Noblessner Foundry, einer ehemaligen sowjetischen U-Boot-Fabrik, in der die Uraufführung von «Adam’s Passion» stattfinden wird. Das Regenwasser kriecht hinein bis in den Vorraum, Pappen dienen als provisorische Brücke. Die Proben in der ungeheizten Halle sind bereits fortgeschritten, denn im Herbst und Winter wird man aufgrund der Kälte pausieren müssen.
Bob Wilsons Entourage ist im vollen Einsatz, die Technik rotiert, die Assistenten flitzen. Die schroffen Gegebenheiten des Raums hat man in das Konzept integriert. Chor und Orchester unter der Leitung von Tõnu Kaljuste sitzen an der Rückfront der Halle auf einer Empore, eine große Bühne mit abschließender Lichtbox ermöglicht Wilsons typische, wie magisch erleuchtete Räume; ein riesiger Catwalk führt darauf zu.
«Adam’s Passion» ist keine durchkomponierte Oper, sondern ein Pasticcio aus Werken wie «Adam’s Lament», «Miserere» und «Tabula Rasa», ergänzt um die Neukomposition «Sequentia». Anlässlich von Pärts 80. Geburtstag soll «Adam’s Passion» Porträt des Schöpfers und Resümée ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Magazin, Seite 82
von Regine Müller
Eigentlich muss man Andris Nelsons sehen. Wie er sich hinter Partitur und Dirigentenpult duckt, als wolle er von den Klangwellen, die er eben entfesselte, nicht weggespült werden. Und wie er dann als Springteufel wieder hochkommt. In dieser CD-Einspielung von Wagners «Fliegendem Holländer» aus Amsterdam sieht man ihn nicht, doch man spürt Nelsons Körpersprache in...
Wenn das so weitergeht, dürfte er irgendwann die Gestik ganz einstellen. Ein aufmunternder Blick, ein Handgelenksschlenker, im Ernstfall eine hochgezogene Augenbraue, das könnte dann reichen. Immer sparsamer wirkt das, was Christian Thielemann auf dem Podium macht: Die Verklärung des Handwerks hat bei ihm schon jetzt eine sehr entscheidende, sehr sichtbare Stufe...
Eingekürzte «Zauberflöten» oder Kinderfassungen des «Freischütz» sind ja ganz nett. Aber den gewachsenen Ansprüchen an die Kinderoper genügen sie nicht. Und Humperdincks «Hänsel und Gretel» erscheinen doch langsam – pardon, das ist nicht hexenfeindlich gemeint – ein wenig ausgebrannt. Neue Stücke müssen her. Stücke, die den Zeitgeist treffen und einem jungen...
