Ohrentheater

Zum 80. Geburtstag von Hans-Joachim Hespos

Opernwelt - Logo

Es ist still um ihn geworden. Aber das kennt man. Hans-Joachim Hespos arbeitete stets an den Rändern. Und so ist seine Musik. Eine Randerscheinung. Und: eine Herausforderung. Ein Stück von Hespos hört man nicht einfach so. Man muss hineinkriechen, um sich einen Eindruck von dessen Wesen zu verschaffen.

Das Credo seines Komponierens verdankt sich einem Diktum Luigi Nonos: «Das Ohr sensibilisieren, die Augen, das menschliche Denken, die Intelligenz, ein Höchstmaß an nach außen gerichteter Innerlichkeit. Das ist heute das Wesentliche.» Diesem Ideal horchte Hes­pos stets nach.

Nicht immer gelang es. Einmal aber besonders gut. Das Musiktheater «iOPAL», 2005 an der Staatsoper Hannover herausgekommen, wurde in der «Opernwelt»-Umfrage zur «Uraufführung des Jahres» gekürt. Ein vielverzweigtes Stück, dessen Klänge und Bilder von so hoher metaphorischer Dichte waren, dass es kaum möglich schien, dieses Gespinst aus übereinandergeschichtetem Material zu durchblicken.

Das Kunstwerk als Rätsel. Nicht zufällig konnte sich Hespos mit diesem Begriff Adornos anfreunden. Das Einfache hat ihn nie interessiert. Was Musik mit unseren Ohren macht, schon eher. Das Fragen, Suchen danach: «Wie hören ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt März 2018
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
Es lebe der Diskurs!

Alles auf einmal wollen. Alles ausprobieren. Warum nicht? Leben besteht daraus: schauen, was geht, mal vor, mal zurück. Erst recht auf der Opernbühne des Als-ob-Lebens. Im Speziellen: an der Oper Halle. Die Dramaturgin kündigt an, die «Aida» sei auch ein Experiment. Gefühle sollen in Wallungen geraten. Wohlige Vorfreude breitet sich aus, zumal hier, wo Florian Lutz...

Himmlisch schön

Es ist nur ein Bild: ein Cover. Aber man würde sich Sorgen machen, wüsste man nicht, dass Bilder verführen sollen. Dieses Bild, es schmückt die neue Aufnahme von Sonya Yoncheva mit Arien aus acht Verdi-Opern, ist mehr als Verführung. Es ist ein Zeichen. Weißwangig-ausgehöhlt, beinahe schwindsüchtig blickt uns die bulgarische Sopranistin an, wie eine Schwester...

Einladung in den Salon

Thomas Hampson gehört zur kleinen Schar jener Sänger, die gleichermaßen auf der Opernbühne wie auf dem Konzertpodium zu Hause sind. Seine neueste CD widmet sich der mélodie, dem französischen Kunstlied des 19. Jahrhunderts, das seine Wurzeln in den adeligen und großbürgerlichen Salons des Zweiten Kaiserreichs und der Dritten Republik hat. Das klug komponierte,...