Kopflos?

Nach Einschätzung des LKA 5 könnte die Aufführung eine Gefährdungslage mit schwer abzuschätzenden Folgen für die öffentliche Sicherheit und Ordnung zur Folge haben. (...) Gemäß einer islamwissenschaftlich gestützten Bewertung des BKA ist nach islamischer Auffassung die Abbildung des Propheten Mohammed streng untersagt. Die Neuenfels-Inszenierung könnte in muslimischen Kreisen zu Assoziationen mit existenten Enthauptungsvideos der militanten irakischen Islamisten führen. Dies könnte als Aufruf zur Enthauptung des Propheten Mohammed bzw. zur Vernichtung des Islam verstanden werden. (...) Bislang liegen dem LKA 5 keine Erkenntnisse vor, wonach die Form der Aufführung bereits in der islamischen Welt bekannt geworden ist.

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Das Bild ist von provozierender Eindringlichkeit: Ganz am Ende von Mozarts «Idomeneo», während eine festliche Ballettmusik eigentlich das unglückliche Ende dieser Oper feiert und das Publikum normalerweise schon nach seinen Garderobenmarken kramt, lässt Hans Neuenfels in seiner Berliner Inszenierung den Titelhelden noch einmal auf die Bühne der Deutschen Oper treten.

Aus einem blutverschmierten Tuch holt der abgedankte Kreterkönig die vier abgeschlagenen Köpfe der Religionsstifter Jesus, Mohammed und Buddha sowie des Meeresgottes Poseidon, verteilt sie fein säuberlich auf vier Stühle und bricht mit einem irren Lachen zusammen. Der Mensch hat den Glauben an die Götter verloren.
Es ist dies ein Theatercoup, der das Publikum schon bei der Premiere im März 2003 in Empörte und Begeisterte spaltete, hitzige Foyerdebatten und einen Packen Leserbriefe bei den Berliner Zeitungen auslöste. So wie es eigentlich immer ist, wenn Hans Neuenfels, seit den siebziger Jahren als Enfant terrible des deutschen Theaters bejubelt und befehdet, Regie führt. Dass Jahre später jedoch nicht die Premiere, sondern die Absetzung eines Stücks zum Skandal werden sollte, dürfte vermutlich auch für den Regisseur ...

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Opernwelt November 2006
Rubrik: Im Focus, Seite 26
von Jörg Königsdorf, Hans Leyendecker, Claudia Schwartz, Martin Meyer, Harald Jähner, Thomas Flierl, Christine Lemke-Matwey, Herfried Münkler, Anne Applebaum

Vergriffen
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