Starke Konkurrenz, edle Vielfalt
Sie heißen Dori oder Oronte, Merope oder Polifonte, Adelberto oder Ottone, und gemeinsam ist ihnen ein ziemlich übler Wohnort: Als Kriegsrecken, schmachtende Blaublüter oder Intriganten hausen sie dort, wo’s staubig ist – in Archiven und Bibliotheken. Manchmal dürfen sie ans Licht, wenn eine Rettungsaktion organisiert wird. In Innsbruck ist das Alltag, nicht nur im Falle verstiegener Wanderer auf der Nordkette, sondern ebenfalls vergessener Opernfiguren.
Dabei ist der Titelheld von Händels «Ottone», 1723 erstmals und erfolgreich in Rom zu erleben, noch die bekannteste Causa.
Der Germanenkönig will durch die Heirat Teofanes sein Reich ausdehnen, Witwe und Sohn des entthronten Herrschers möchten genau das aber durchkreuzen. Bei den Innsbrucker Festwochen der Alten Musik ist «Ottone» die kleinste der drei szenischen Produktionen. Traditionell werden dafür die Teilnehmer des vorjährigen Cesti-Wettbewerbs engagiert. Normalerweise treten diese im Innenhof der Theologischen Fakultät auf, die Regenverlegung der zweiten Aufführung ins Haus der Musik tut der Sache kaum einen Abbruch: Das kleine Orchester der Accademia La Chimera unter Fabrizio Ventura erhält für seine sinnliche Farbfülle ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Markus Thiel
Im schweizerischen Bergdorf, wo der Oldenburger «Ring» spielt, ist es Winter geworden. Die Weltesche, in der «Walküre» noch in vollem Laub, im «Siegfried» in milde Herbstfarben getaucht, ist gefällt und liegt als Brennholz für den Scheiterhaufen bereit, auf dem Walhall verglühen wird. So beginnt im Staatstheater die «Götterdämmerung». Zum ersten Mal in der...
Die Tonart verheißt nichts Gutes. As-Moll, das erinnert weniger an Frühsommerduft als vielmehr an Trübsal, Tristesse und Tragik. Eben die herrscht nun hörbar auch im karg möblierten Schlafzimmer des Kollegienassessors Kowaljow: Schluchzende Glissandi der Posaunen, Violinen, Oboen und Klarinetten dominieren dieses Adagio, ja selbst die Harfe seufzt, und das ist ja...
Da geistert eine Figur durchs Geschehen, die haben sie in den Proben den «Tod» genannt. Später heißt er Hippolyte. Er taucht bald hier auf, bald dort. Verschwindet wieder, ist nicht greifbar. Geheimnisvoll, gespenstisch wird er zur heimlichen Hauptperson, zum Stichwortgeber, zum Drahtzieher. Der Tod, das muss ein Wiener sein? Man spielt den «Rosenkavalier» von...
