Adel verpflichtet
Als Schüler hatte ich das englische Magazin «Opera» abonniert, in dem den Premieren und Wiederaufnahmen des Royal Opera House naturgemäß breiter Raum gegeben wurde. Viele der Aufführungen, die ich dort beschrieben fand und die ich nur zu gern miterlebt hätte, finde ich nun zumindest als Tonkonserve in einer neuen Reihe «Heritage Series» wieder, die von der Oper selbst herausgegeben wird und deren erste zehn Folgen jetzt vorliegen.
Die Serie beginnt glanzvoll mit einer «Otello»-Aufführung von 1955, die von dem damaligen Musikdirektor Rafael Kubelik geleitet wurde.
Der tschechische Maestro war – was heute etwas in Vergessenheit geraten ist – ein bedeutender Verdi-Dirigent. Er schafft ein klangliches Breitwandgemälde mit vielen leuchtenden Details, gibt den Sängern darin Raum zur optimalen Entfaltung. Und seine Protagonisten nutzen ihn. Ramón Vinay, damals noch auf der Höhe seiner tenoralen Möglichkeiten, ist ein fast überlebensgroßer Otello, furchterregend in seiner wilden Leidenschaftlichkeit. Gré Brouwenstijn ist ihm die ideale Partnerin, mit ähnlicher Stimmfülle gesegnet, aber zugleich eine Meisterin des feinsten Piano und seelenvolle Gestalterin. Der böse Dritte, Otakar Kraus, ...
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Die Bilanz, die der französische Musikwissenschaftler Benoit Dratwicki im Booklet von Hervé Niquets Einspielung der «Proserpine» zieht, ist ernüchternd. Trotz der Begeisterung, die William Christies Produktion des «Atys» 1987 ausgelöst habe, hätten die Opern Jean-Baptiste Lullys bislang noch immer nicht zu breiterer Anerkennung gefunden. Immer noch würden einige...
Geiz ist doch geil! Bei seiner Inszenierung von François Boieldieus «Die weiße Dame» spart Axel Köhler ein Drittel der schottischen Schauerkomödie – und tut damit das einzig Richtige. Um die 1825 uraufgeführte opéra comique für das Publikum von 2008 zu retten, muss man rigoros in Libretto und Partitur eingreifen. Also ersetzt der als Countertenor wie Regisseur...
Ein Komponist, den kaum ein Opernführer auch nur zu nennen weiß: Pietro Raimondi, 1786 in Rom geboren und dortselbst 1853 als Kapellmeister der Peterskirche gestorben. Dabei hat er sich schon rein quantitativ mit seinen – laut Riemann – 62 Musiktheaterwerken zumindest in die Annalen der italienischen Bühnen eingetragen. Seine von der Neuburger Kammeroper als...
