Klug gestaltet
Wenn eine Sopranistin unserer Zeit mit besonderer Emphase als «Mozart-Sängerin» bezeichnet werden kann, dann Dorothea Röschmann. Obwohl sie ein breites Repertoire beherrscht, neben Agathe («Freischütz») auch die Marschallin («Rosenkavalier») oder Elsa («Lohengrin») singt, stehen die großen Sopranpartien Mozarts bis heute im Mittelpunkt ihres Wirkens. Nach einigen Gesamtaufnahmen (Pamina unter Claudio Abbado, Gräfin unter Nikolaus Harnoncourt u. a.) legt Dorothea Röschmann jetzt ein Album vor, das sieben Opern- und eine Konzertarie enthält.
Schon der Einstieg ist, im Wortsinne, furios. Rezitativ und Arie der Elettra aus dem letzten Akt des «Idomeneo» sind vokales Theater erregender Art. Röschmann versteht es, den Worten singend Nachdruck zu verleihen, Akzente zu setzen und mit ihren Mitteln so zu haushalten. Selbst eine Tour de force von expressiver Hochspannung wie «D’Oreste, d’Ajace» meistert sie, ohne an Grenzen zu stoßen.
In den Arien der «Figaro»-Gräfin zeigt die Sängerin, dass sie auch das andere Extrem beherrscht. In «Porgi amor» fließt die Stimme in schönster Weise, für «Dove sono» findet sie zunächst genau jenen sakralen Ton, der hier am Platze ist, um im Allegro-Teil der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 21
von Thomas Seedorf
Simon Boccanegra» gehört, wie «Macbeth» und «Don Carlos», zu den experimentellen Opern Verdis und hat wie diese erst nach einer gründlichen Überarbeitung seine endgültige Gestalt gefunden. Das Werk enthält keine eingängigen, populären Melodien, zudem erschwert eine krause Handlung die Rezeption. Abramo Basevi, Autor der ersten Verdi-Monografie, will das...
Am Ende holt ihn der eigene Alptraum ein: Baculus liegt in seinem Blut, erschossen wegen eines angeblich gewilderten Rehbocks! Von einem Doppelgänger verfolgt fühlt sich der Schulmeister schon in der Ouvertüre, schlussendlich erliegt er wohl der eigenen Fantasie. Zwischen Anfang und Ende dieser lang ersehnten, seit 43 Jahren ersten Dresdner Neuproduktion des...
Im internen Ranking der Verdi-Opern nach Aufführungshäufigkeit steht «Macbeth» nicht ganz oben. Die letzte Neuproduktion der Wiener Staatsoper vor jener heiß umstrittenen durch Vera Nemirova im Dezember 2009 stammte aus dem Jahr 1982. Und jetzt, nach bloß sechs Jahren (und knappen fünf unter Dominique Meyer) bereits wieder eine Neuinszenierung. Warum? Weil die der...
