Eine einzige Raserei
«Ein Leben auf der Erde lohnt sich noch, solange solche Musik komponiert wird», befand der Komponist Nikolai Mjaskowski, nachdem er die Oper «Der feurige Engel» von Prokofjew gehört hatte. Zweifelsohne zählt der «Feurige Engel» zu jenen Schöpfungen im Musiktheater, deren Intensitäten wie ein Schauder durch die menschliche Seele strömen – zumal dann, wenn sie so herausragend interpretiert werden wie von der Staatskapelle Weimar unter der Leitung ihres Ersten Kapellmeisters Martin Hoff.
Eine verrückte Musik ist das, überbordend, grell, fahrig und fiebrig, voller unkontrollierter Ausbrüche und ekstatischer Augenblicke, kurzum: eine einzige Raserei. Hoff und sein Orchester folgen diesem expressionistisch angewehten Wahn bis in den letzten Winkel, mit geschärfter Artikulation und enorm dynamischem, nahezu unerbittlichem Ausdruckswillen. Eine Meisterleistung, die vom Opernchor mitgetragen wird.
Die Geschichte, einem Roman des russischen Symbolisten Valeri Brjussow entliehen und auf operntaugliche zweieinhalb Stunden destilliert, ist krude. Das Mädchen Renata, von phantasmagorischen Vorstellungen geplagt und der Hysterie nahe, trifft auf den Ritter Ruprecht, der soeben aus Übersee ...
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Opernwelt Februar 2011
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Jürgen Otten
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