Sinnliche Dekonstruktion
Herr Herheim, in Ihren Inszenierungen thematisieren Sie gern die Rezeptionsgeschichte der Werke.
Wäre es da nicht konsequent, wenn auch der Regisseur Herheim selbst als letztes Glied in dieser Kette auf der Bühne auftauchen würde?
Nun, der Regisseur Herheim ist sich des etymologischen Ursprungs seines Berufes bewusst: Das lateinische «regere» bedeutet so viel wie «lenken, verwalten, gerade richten»; das heißt, meine Präsenz auf der Bühne muss sich nicht als letztes Glied in einer Kette manifestieren, sondern sollte vielmehr in der Form jedes einzelnen Gliedes des Operncolliers erkennbar sein. Jede meiner Arbeiten entwirft ein erarbeitetes Weltbild, jede spielt gewissermaßen in meinem Kopf, in dem Sinn, dass sie den Raum wiedergibt, in dem mein Team, das ganze Ensemble und ich uns in dem Werk gemeinsam behausen konnten. Und zu einem Werk gehört für mich eben auch dessen eigener Mythos.
Aber liegt in der Beschäftigung der Kunstform Oper mit sich selbst, die beispielsweise in Ihren Essener «Puritanern» oder in Ihrem Rigaer «Rheingold» hervortritt, nicht auch die Gefahr eines Bedeutungsverlustes?
Natürlich, solange das bloß eine ausgestellte Analyse bleibt. Sinn stiftet die Oper ja erst ...
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Schon nach der Veröffentlichung der «Walküre» war die Resonanz spektakulär. Da war von einem «sensationellen Fund» die Rede, von einem «wahren Schatz», von einer «Auferstehung» nach 51 Jahren. «Sei gegrüßt, du herrliches Kind», titelte Wolfram Goertz seine Besprechung in der «Zeit» und schloss mit den Worten: «Über allem wachte Keilberth, der mit dieser Aufnahme...
Herr Frey, im vergangenen Jahr, als Sie zum neuen Bremer Generalintendanten bestellt wurden, rauschte es im Blätterwald der Feuilletons: Angeblich wollten Sie die Bremer Oper zu einem Stagione-Theater umfunktionieren. Jetzt, wo Ihr Spielplan für die erste Saison vorliegt, liest sich alles doch etwas anders: Bremen behält ein relativ großes Hausensemble; viele...
Frau Schäfer, wie geht es Ihren beiden Töchtern?
Danke, ich kann nicht klagen. Als ich sie gestern ins Bett brachte und vor unserem Schlaflied zufällig das Radio anmachte, kam gerade der Mitschnitt von Pergolesis «Stabat mater» aus Salzburg, wo ich eingesprungen war. Sagt die eine Tochter sofort: «Das ist die Mama, die da singt.» Sagt die andere: «Die Mama kann...
