Satan und die edle Anmut
Es dürfte eine der reizvollsten Opern-Trouvaillen der letzten Zeit sein, die dem Lübecker Theater da gelungen ist: «Grisélidis», Jules Massenets «Conte lyrique» von 1901, bisher noch nie auf einer deutschen Bühne zu sehen. Die anrührende, mit zu Herzen gehendem Sentiment gezeichnete Leidensgeschichte einer «Femme fragile», deren «Fragilité» sich durchsetzt gegen alle böswillig-brutalen Anfeindungen.
Man kennt die Gestalt der tugendreichen Griseldis (französisch: Grisélidis) aus den Erzählungen von Boccaccio, Petrarca und Perrault, dazu aus mehreren Barockopern unter anderem von Scarlatti und Vivaldi, und man weiß aus der Legende, dass die Titelheldin von ihrem misstrauischen, an ihrer Treue zweifelnden Gatten einer Reihe von grausamen Prüfungen unterzogen wird, die sie siegreich durchsteht.
Bei Massenet nun ist es nicht der Marquis de Saluces selbst, der sich die schlimmen Malicen gegen seine herzensgute Frau ausdenkt. Die Librettisten Armand Silvestre und Eugène Moran bemühen dazu den Satan selbst, der – wie im mittelalterlichen Mysterienspiel – höchstpersönlich die entscheidende Rolle als Verführer spielt und damit den Ehemann, der unverbrüchlich weiter an die Treue seiner ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Esultate! L’orgoglio musulmano sepolto è in mar, nostro del ciel è gloria! Das hätte man gegenwärtig auch benediktisch zugespitzt, sozusagen auf des Krummsäbels Schneide, inszenieren können. Doch Christine Mielitz lässt den «muselmanischen Stolz» szenisch unkommentiert, nutzt vielmehr Unwetter und Sturm pantomimisch zur (nur bei Shakespeare geschilderten)...
Im heutigen Opernalltag sind gute Tenöre, vor allem für Verdi und Wagner, Ausnahmeerscheinungen. In früheren Zeiten dagegen war die Konkurrenz so groß, dass viele nach heutigen Maßstäben erstklassige Fachvertreter rasch wieder in Vergessenheit gerieten. Für den systematischen Sammler historischer Recitals gibt es da immer wieder Entdeckungen zu machen.
Der...
Herr Alagna, Ihr letztes Solo-Recital war eine Hommage an den Sänger und Schauspieler Luis Mariano, der in Frankreich eine Legende, bei uns aber kaum bekannt ist.
Das stimmt. Man muss ihn in Deutschland erst noch entdecken. Er war eine außergewöhnliche Person, er hat ein Genre, einen Stil kreiert. Eigentlich wollte er Opernsänger werden, hat das Konservatorium in...
