Seit hundert Jahren in Betrieb
Ganz oben, hoch über dem Bühnenturm, setzen vier Panther zum Sprung gen Süden an. Zum Licht, nach Arkadien, ins Reich der Musen. Dorthin, woher einst die Musik kam, die Poesie und das Spiel. Noch stehen die von den Tieren gezogenen Streitwagen auf zwei Türmchen still, gezügelt von einer weiblichen und einer männlichen Idealfigur. Aber nicht mehr lange, sagt ihre Haltung – alles ist hier Dynamik, Bewegung, Sehnsucht nach Transzendenz. Nicht rohe, maßlose Kraft, sondern kultivierte, elegante Energie.
Panther und Löwen, Putti und Engel, Chimären, Widderköpfe und Obelisken, symmetrisch angeordnet, in klar gestaffelte Baukörper eingepasst – Bernhard Sehring geizte nicht mit Zitaten aus dem antiken und palladianischen Formenkanon, als die Cottbuser Bürgerschaft ihn beauftragte, ein Theater für die damals prosperierende Kleinstadt in der Lausitz zu entwerfen. Der Architekt hatte sich mit dem Theater des Westens in Berlin-Charlottenburg (1896) einen viel diskutierten Namen gemacht, sein kontrastreicher Stil-Eklektizismus traf den Nerv der späten Gründerzeit: der Vergangenheit in vergewissernder Ehrfurcht verbunden, der fragilen Gegenwart trotzig zugewandt. Was da also am 1. Oktober 1908 ...
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Don Giovanni», Verdis «Otello», Gounods «Roméo et Juliette» – die Eröffnungspremieren der Salzburger Festspiele mit den attraktiven und populären Titeln waren die ganze Festivalzeit über auf dem Programm (siehe OW 9-10/2008). Das etwas sperrigere Angebot folgte in der zweiten Festspielhälfte: Bartóks «Herzog Blaubarts Burg», Dvoráks vor allem wegen der Mond-Arie...
Musikalisch, stilistisch und dramatisch hat Puccini in «Il trittico» drei verschiedene, in sich schlüssige Welten entworfen. Jeder dieser Einakter könnte auch ohne die beiden anderen bestehen. Ein Haus, das alle Stücke an einem Abend zeigt, lässt sich so auf eine künstlerische Herausforderung ein, die der einer «Ring»-Inszenierung kaum nachsteht. In Los Angeles...
Poesievoll verbrämte Orient-Historie hier, knallharte Nahost-Gegenwartsreportage dort: Die «Salome»-Lesarten, die Bremen und Kassel zu Spielzeitbeginn präsentierten, hätten unterschiedlicher nicht ausfallen können. Und machten zugleich deutlich, welch breiten Interpretationsspielraum das Werk zulässt.
Das Theater Bremen hat für die Ausstattung und als...
