Webers «Freischütz»-Romantik, russifiziert
Die russische Oper vor und neben Glinka und Mussorgsky ist in der westlichen Welt immer noch eine terra incognita. Dabei schlummern in russischen Rundfunkarchiven viele Gesamtaufnahmen von Werken des späten 18. (Paschkewitsch, Fomin, Bortnjanski) und frühen bis mittleren 19. Jahrhunderts (Verstovski, Serov, Napravnik etc.), die die Legende Lügen strafen, es hätte die russische Oper, selbst die auf russischen Volksliedmotiven basierende, erst seit Glinka und Mussorgsky gegeben.
Von Alexander Dargomyschskis «Russalka» (1848-1855) legt Michail Jurowski mit dem WDR Rundfunkorchester und dem idiomatisch singenden Rundfunkchor Köln nun die vierte Gesamtaufnahme vor. Um es vorwegzunehmen: Es ist eine hoch achtbare Leistung. Aber an die Poesie und Dramatik der Referenzaufnahme von Wassili Nebolsin mit den Kräften des Moskauer Bolschoi Theaters von 1948 kommt sie nicht heran. Vor allem die Solisten mit Ausnahme der makellosen Marina Prudenskaja als verlassene Fürstin haben Schwierigkeiten mit Dargomyschskis hier zwischen früher Romantik (Weber, Schubert), italienischem Belcanto und spinto-Gesang changierenden Übergangsstil. Evelina Dobraceva, mit slawisch-gutturalem Timbre begabt, ...
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