Operraritäten auf DVD
Neben zwei deutschen, einer russischen und einer englischen Oper sind in diesem Rundblick über neue DVD-Veröffentlichungen von Raritäten des Spielplans fünf französische Bühnenwerke vertreten, aber keine einzige italienische Oper! Da scheint es fast, als gäbe es, was das Musiktheater jenseits des Rheins und seine Dokumentation angeht, großen Nachholbedarf, aber auch großes Interesse.
Vor vier Jahren hat Christophe Rousset die integrale Ersteinspielung von Jean Baptiste Lullys «Persée» vorgelegt, nun erweist eine um den allegorischen Prolog gekürzte und an einigen anderen Stellen gestraffte Version auch dessen Bühnentauglichkeit – dank einer originell historisierenden Inszenierung und eines unaufdringlichen, aber geschickten Fernsehregisseurs. Mit dem Tafelmusik Baroque Orchestra unter dem auf sehr rasche Tempi bedachten Hervé Niquet und hervorragenden, telegenen, großteils jungen Sängern ist im Elgin Theatre von Toronto die Aufzeichnung einer Inszenierung entstanden, die Lullys erotisch verwickelte Oper von 1682 um den heldenhaften Perseus und seinen Begleiter Merkur (zwei exzellente junge Haute-contre: Cyril Auvity und Colin Ainsworth), den eifersüchtigen Phineus, die in Perseus ...
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Wenn Musiktheater primär aus ökonomischem Antrieb zustande kommt, bedeutet dies noch nicht, dass es sich künstlerisch nicht ernst nehmen und nur billige Lösungen suchen muss. Ein internationales Veranstalter-Konsortium setzte neue quantitative Maßstäbe mit einer 1998 in Peking vor der Kulisse der «Verbotenen Stadt» entwickelten Inszenierung von Puccinis «Turandot»....
Zwei historische Schwarz-Weiß-Fotografien sind es, die in diesem Bilderbuch der Oper Eindruck machen: Anja Silja in Cherubinis «Médée» (Frankfurt 1971), mit klarer, gebieterischer Gestik und Mimik, ganz die Kraft des Augenblicks in sich bündelnd, und Maria Callas in Donizettis «Poliuto» (Mailänder Scala 1960), mit geschlossenen Augen, leicht geöffnetem singenden...
Gut zwanzig Jahre nach seiner Emigration aus Deutschland besuchte Josef Tal mit seiner Frau Pola erstmals wieder seine ehemalige Heimatstadt Berlin: «Wir nahmen ein Taxi. Ich sperrte meine Augen weit auf – es wurde eine Geisterfahrt. Nach kurzer Zeit sagte ich zu Pola auf Hebräisch: ‹Du, der fährt uns spazieren, um eine größere Zeche rauszukriegen. Den Weg kenne...
