Klangspuren der Nacht
Wer sich auf eine Expedition ins Innere von Chaya Czernowins «Pnima»-Partitur einlässt, stößt erst einmal auf drei eng bedruckte Seiten Spielvorschriften. Gut fünfzig Sonderzeichen und rund zwei Dutzend Kürzel, dazu Erläuterungen zu Dynamik, Lautbildung, Klangfarben und Tonhöhen benötigt die israelische Komponistin, um ihre Klangvorstellungen auf Notenpapier festzuhalten. Denn was Czernowin in diesem Stück zu sagen versucht, ist eigentlich unsagbar. Es ist etwas, das vor und jenseits der Sprache liegt.
Ein Kind trifft einen merkwürdigen Alten, setzt alles daran, dessen Geschichte zu erfahren, doch es fehlt das Wort. Was machtvoll nach außen dringt, sind wunde, schreiende Gefühle. Vokale und Konsonanten strömen wie zufällig hervor, un(be)greifbar, mehr emotionale Rufzeichen als Bausteine potenziellen Sinns. Die Ordnung des Sprechens ist außer Kraft gesetzt, die Verständigung ganz (un)reiner Klang geworden. Komplexer, geräuschhafter, bedrängender Klang. Man spürt, dass diese Musik aus der Nacht kommt, aus dem Dunkel der Traumata. Eine Musik, die nicht von etwas erzählt, sondern seelische Katastrophen vergegenwärtigt – plastisch, verstörend, beklemmend.
Chaya Czernowin hat die für ...
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Mrs. DiDonato, dürfen wir Ihnen ein Kompliment machen?
Gern. Welches denn?
Sie haben ein großes und für den Opernbetrieb nachgerade erstaunliches Talent als Schauspielerin. Haben Sie heimlich geübt?
Nein. Auch wenn Sie es nicht glauben. Spielen war für mich immer natürlicher als Singen, schon an der Highschool. Ich dachte nie darüber nach, was ich wie tun musste. Ich...
Frau Michael, mit welcher der beiden «Tannhäuser»-Frauen können Sie sich eher identifizieren?
Die Venus habe ich schon oft gesungen, aber ich hatte dabei seltsamerweise nie das Gefühl, diese Figur auch menschlich zu begreifen. Das passiert erst jetzt: Seit ich die Elisabeth studiere, merke ich, dass beide Figuren in Wirklichkeit eine einzige Frau sind, die nur in...
Am 28. August ging auf dem Grünen Hügel zu Bayreuth eine Ära zu Ende: An diesem Tag wurde Wolfgang Wagner offiziell als Leiter der Festspiele verabschiedet. Achtundfünfzig Spielzeiten hatte der inzwischen 89-Jährige maßgeblich geprägt. Seit dem Tod seines Bruders Wieland 1966 beherrschte er zweiundvierzig Jahre allein das Geschehen im Festspielhaus. Insgesamt 1706...
