Mit einfachsten Mitteln
Das Detmolder Landestheater ist ein Schmuckkästchen, das gerade mal 650 Zuschauer fasst. Ideal für Barockes, Mozart und Rossini, möchte man meinen. Doch die Detmolder bescheiden sich schon seit einiger Zeit nicht mit dem, was vermeintlich angemessen scheint. Wagners «Ring des Nibelungen» haben sie bereits komplett im Spielplan, freilich in einer verkleinerten Orchesterbesetzung. Nun wagte sich das Haus an «Parsifal», jenes in jeder Hinsicht finale «Bühnenweihfestspiel», dessen Thematik den Meister mehr als dreißig Jahre beschäftigte.
Das Ergebnis ist eine positive Überraschung. Zwar passte beim tosenden Schlussapplaus die Solistenriege nicht nebeneinander auf die schmale Bühne, aber während des langen Abends hatte sich das grazile Maß des Hauses fast durchgehend als Gewinn erwiesen. Denn das Werk, das sich auf großen Bühnen häufig in der Weite und klanglich im wabernd Ungefähren verliert, gewinnt in Detmold eine neue, kammerspielartige Dimension. Im Saal herrscht eine unbarmherzig trockene Akustik, kein Misston, kein Wackler und kein Kratzer bleibt dem Ohr verborgen. Dafür ist jedes Wort des Wagner’schen Librettos verständlich, Übertitel sind hier überflüssig.
Petra Mollérus‘ ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2012
Rubrik: Panorama, Seite 35
von Regine Müller
Für die Hölle gibt’s Szenenapplaus. Ein rot glühendes Fabrikglashaus mit gehörntem Direktor und diabolischer Belegschaft, die Neuzugänge im Zahnräderwerk einer Dampfmaschine entsorgt. Ein Wimmelbild, das die ganze Semperopernbühne füllt und offenbar ganz nach dem Geschmack des feinen Dresdner Premierenpublikums ist. Überhaupt kommt der aufwändig gepflegte...
Hoch oben, diagonal über der Bühne ein Seil, das anfangs wie eine Neonröhre aussieht. Ganz vorn rechts ragt gerade noch ein Fuß ins Bild. Im Pressematerial zum Karlsruher «Lohengrin» findet sich die Biografie eines französischen Hochseilartisten. Auf der Szene indes keine Spur von ihm. Sollte da...? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Lohengrin – Akrobat...
Wer bin ich? «Ich bin die Vielen» – in dieses philosophische Paradoxon soll der Maler Egon Schiele seine künstlerische Persönlichkeit gekleidet haben. Ähnliches hatte ein Anonymus als Graffito an die Berliner Mauer gesprayt: «Wer bin ich, und wenn ja, wie viele?» Wir lasen dieses Zitat kürzlich in der «Neuen Zürcher Zeitung» – im Zusammenhang mit einem Bericht über...
