Opernplunder und Musiktheater
Die Expansion des DVD-Marktes hat bei den großen Opernhäusern (und nicht nur bei den großen) einen oftmals wenig selbstkritischen Veröffentlichungseifer freigesetzt. Da wird manches für die Ewigkeit konserviert, was den Ruhm des Instituts nicht mehrt, vielmehr dazu angetan ist, gewachsene Legenden zu zerstören.
Drastisches Beispiel: Die Mailänder Scala und ihre Inaugurazione 2003 mit Rossinis «Moïse et Pharaon». Das Filmdokument bietet hier nicht mehr als einen weiteren Beleg für die Prima-la-musica-Diktatur in der viel zu langen Ära Riccardo Mutis.
Auch wenn diese Oper Züge eines szenischen Oratoriums trägt, eine gewisse Statuarik also vorgegeben ist, muss man die Arrangements von Luca Ronconi als einen Triumph der Einfallslosigkeit ansehen (was ebenso für die zwanzigminütige Balletteinlage im dritten Akt gilt). Pappmaché-Figuren wandeln durch die Szenerie Gianni Quarantas, die Wüste und Rotes Meer in den einheitlichen Bühnenrahmen eines mit Barockelementen verzierten gotischen Domes zwängt. Diese Verschachtelung soll offensichtlich eine Analogie zur Judenverfolgung durch die Ägypter/Holocaust durch die Christen suggerieren.
Muti lässt in Mailand nicht die italienische ...
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Nach dem «Onkel aus Boston», den Helmuth Rilling aus der Versenkung geholt und wieder aufführungstauglich gemacht hatte (vgl. OW 11/2004), gilt es nun erneut einen Repertoire-Exoten zu begrüßen: «Heimkehr aus der Fremde» heißt das «Liederspiel in einem Akt», das am 26. Dezember 1829 uraufgeführt wurde.
Man vergegenwärtige sich folgende Situation: Einhundertzwanzig...
Ein Handlungsreisender in Sachen Rache. Hamlet schleppt Koffer, blickt unsicher umher: Wo bin ich hier? Das fragt sich nicht nur er, sondern wohl auch ein Großteil der Zuschauer bei dieser ersten «Hamlet»-Aufführung in der Geschichte der Rheinoper. Ursprünglich sollte die Premiere bereits im neuen Einjahres-Ausweichquartier, im RheinOperMobil, stattfinden, doch...
Im vergangenen September, angesichts von Peter Konwitschnys szenischer Interpretation des «Eugen Onegin» in Bratislava, hatte ein aus Wien angereister Zuschauer neben mir noch gegreint: «Jetzt kann man hier auch nicht mehr hinfahren.» Sollte der Mann dennoch einen weiteren Versuch gewagt haben, etwa zur «Turandot», dürfte Joszef Bednáriks Inszenierung ihm ein...
