Frau ohne Eigenschaften
Jüngere Auseinandersetzungen mit Puccinis «Madama Butterfly» verzichten meist auf Exotismus und Couleur locale. Christof Nel legte in Frankfurt seinen Schwerpunkt auf die Kindfrau-Thematik, Calixto Bieito interessierte sich in Berlin für das davon nicht so weit entfernte Thema Sextourismus, Jarg Pataki erzählte in Freiburg die Geschichte aus der Perspektive des erwachsenen Kindes von Cio-Cio San, und bei Jetske Mijnssen in Basel wurde Puccinis «japanische Tragödie» kürzlich zum Drama allgemeiner gesellschaftlichen Verelendung.
Was aber passiert, wenn, wie nun bei Katharina Wagner am Staatstheater Mainz, der gesamte Naturalismus aus dem Geschehen gleichsam getilgt wird und sich der Fokus auf eine Figur richtet, die sonst eher in der zweiten Reihe steht: auf Goro, den intriganten Heiratsvermittler? Im Grunde ein spannender Ansatz, mit dem die Bayreuther Festspielleiterin bei ihrer zweiten Regie-Begegnung mit Puccini aufwartet. Wenn er denn zu Ende gedacht würde! Doch am Ende des Abends, wenn sich die Titelheldin im aufrechten Gang dem über allem thronenden Goro zuwendet, wähnt man sich in einer mythischen Melange: Liebestod, Hohepriesterin, Klingsor der Zauberer – es wabert ...
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Mit seiner achten Oper «Alzira» hatte Verdi kein Glück. Die Uraufführung am 12. August 1845 im Teatro San Carlo in Neapel war ein Achtungserfolg, die Premiere an der Mailänder Scala im Januar 1847 fiel durch, nach wenigen Jahren verschwand das Stück ganz von den Spielplänen. Selbst der Komponist soll sich später von seinem Werk distanziert und es einer Bekannten...
Herr Gerhaher, wo haben Sie den ersten Vormittag in diesem Jahr verbracht?
(schmunzelnd) Ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Nein, nicht im Großen Musikvereinssaal in Wien. Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker habe ich mir auch nicht im Fernsehen angesehen. Ich bin kein Freund dieses Events; man muss jedem Menschen solche Idiosynkrasien zugestehen.
Was stört...
Von allen großen Opern, die das Etikett «Komödie» tragen, dürfte Gaetano Donizettis «Don Pasquale» die melancholischste sein. Gefährlich dünn ist in dem 1843 uraufgeführten Werk der Firnis der Lustigkeit; am Ende bleibt von dem Versuch des alten Mannes, Leben und Jugend nachzuholen, nur ein bitteres «zu spät». Im Opernhaus merkt man davon leider meist nichts: Statt...
