Akustische Weichzeichner

Hannover, Wagner: Tristan und Isolde

Opernwelt - Logo

Die These, die dem neuen Hannoveraner «Tristan» zu Grunde liegt, ist durchaus beunruhigend: Könnte es sein, so scheint Joachim Schlömer sich und das Publikum den ganzen Abend über zu fragen, dass dieses Werk sich am Ende einer glaubwürdigen szenischen Realisierung grundsätzlich verweigert? Dass dort, wo es ohnehin nur um hemmungs- und grenzenlose Gefühle geht, jede Verankerung in einer Spielatmosphäre nur eine Verkleinerung der Wahrheit bedeutet? Tristan und Isolde, postuliert Schlömer schon zum Vorspiel des ers­ten Aktes, das können wir alle sein – wenn wir nur bereit sind, unser

e Gefühle zu leben.
Es sind x-beliebige Menschen, die sich auf der Bühne versammeln und auf eine Leinwand starren, die das Geschehen per Live-­Video sichtbar macht. Man gibt sich leger, trägt Trainingsjacke und weiße Hemden, und für die ganze Handlung braucht es auf nackter Bühne nur eine Hand voll Requisiten: Ein paar weiße Latten reichen, um Räume anzudeuten, allein ein Paar Stiefel verweist später darauf, dass der dritte Akt bei Tristan zu Hause spielt. Bühnentechnik und Scheinwerferlicht werden deutlich vorgezeigt, damit ja keiner auf die Idee kommt, die Res­te der (ohnehin denkbar kargen) äußeren ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2005
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Filmreifes Debüt

«Festa teatrale» – die passende Gattung zu den Hochzeitsfeierlichkeiten des Erzherzogs Ferdinand von Österreich mit der Prinzessin Maria Beatrice Ricciarda von Modena, er siebzehn, sie einundzwanzig. Die Komposition stammte von einem ihrer Altersgenossen: Wolfgang Amadeus Mozart hatte fünfzehnjährig den Auftrag von der Kaiserin persönlich bekommen. Das Libretto,...

Indien, virtuell

Mit seinem ersten Operndirigat im auferstandenen «Teatro La Fenice» huldigte Venedigs Musikchef Marcello Viotti seiner besonderen Leidenschaft: der Pariser «Grand Opéra». Massenets Fünfakter «Le Roi de Lahore», ein seit langem wenig gespielter Klassiker der Gattung, erlebte unter Viotti, der zugleich auch eine kritische Edition der Partitur besorgte, eine...

Blutende Herzen, brennende Kerzen

Friedrich Nietzsche hat den stilistischen Sonderstatus von Georges Bizets «Carmen» wohl als Erster metaphorisch auf den Punkt gebracht: «Diese Musik ist heiter», schrieb er 1888, dreizehn Jahre nach der skandalumwitterten Urauffüh­rung an der Pariser Opéra Comique, «aber nicht von einer französischen oder deutschen Heiterkeit. Ihre Heiterkeit ist afrikanisch; sie...