Stimmkultur–oder Kraftmeierei?
In den 1950er-Jahren ließ der Wiener Chansonnier Hermann Leopoldi im Liede einen wegen nächtlicher Ruhestörung eingebuchteten «stillen Zecher» jammern: «Geh’n S’ nur in d’ Oper rein – dort singen d’ Leut’ viel lauter noch, aber die sperrt keiner ein.» Man sieht, das Missverständnis, Lautstärke sei eine Qualität des Operngesangs, ist nicht neu. Schon Verdi hat darunter gelitten. Doch in den letzten Jahrzehnten scheinen sich die Bewertung von Gesang und die Erwartungshaltung des Publikums stärker in Richtung vokaler Kraftmeierei verschoben zu haben.
«Laut und effektvoll muss es sein; und jeder singt dabei gegen sein eigentliches Image an», klagte Brigitte Fassbaender unlängst in «Opernwelt» (siehe OW 6/2014).
Dabei war der zum 33. Mal ausgetragene Belvedere-Wettbewerb – oft als «Wallstreet der Kehle» apostrophiert – reich gesegnet mit bemerkenswertem sängerischen Material, vor allem die Frauen ließen aufhorchen (wobei sich unter den zehn im Finale vertretenen Sängerinnen auffallenderweise kein einziger dramatischer Alt oder Mezzo befand, bloß ein lyrischer). Und doch schien bei der Vergabe des ersten und des Publikumspreises an die junge Russin Irina Churilova (mit Leonoras «Tacea la ...
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Opernwelt September/Oktober 2014
Rubrik: Magazin, Seite 93
von Gerhard Persché
Der 1770 in Mailand uraufgeführte «Mitridate» galt lange als unausgereiftes Jugendwerk Mozarts. Der 14-Jährige erfüllt die Anforderungen der italienischen Seria und bleibt dabei formal eher schematisch. Er ist aber zugleich seiner Zeit voraus – neben dem glänzenden Instrumentalsatz beweist das vor allem der Reichtum der musikalischen Charakterzeichnung. Dass das...
Frau Aikin, Sie haben fünfzehn Jahre in Italien gelebt. Warum wollten Sie da weg?
Das hatte zum einen private Gründe. Es war aber auch eine Entscheidung für den Beruf. Als amerikanische Sängerin, die hauptsächlich deutsches Fach singt, sah ich in Italien keine Zukunft mehr. Ich will singen, und ich will unterrichten. In Deutschland habe ich ganz andere...
Die Möwe schreit. Ein Hund bellt. Über die Frederiksborggade schnaufen die Kopenhagener Stadtbusse. Dazwischen der Duft von Fisch und Frittenfett. Vor der Torvehallerne, der Markthalle mit Restaurants und Cafés, blüht das Leben. Der Bahnhof Nørreport, wo sich Metro und Fernzüge kreuzen, ist keine hundert Meter weg. Und genau hier spielt die Musik: Man gibt «Manon»...
