Kunst aus dem Augenblick
Er ist ein Bauchmensch und Hasardeur. Ein Maestro, der Live-Luft braucht, um seine Fähigkeiten zu entfalten. Aber auch ein machtbewusster Impresario, der aus seiner Sympathie für den starken Mann im post-sowjetischen Russland kein Hehl macht. Seit 1988 befehligt Valery Gergiev das Mariinsky Theater in Sankt Petersburg. 2015 wurde er Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Im Juli und August pendelt er zwischen den Bayreuther und Salzburger Festspielen.
Porträt eines auf dem globalisierten Klassikmarkt allgegenwärtigen Charismatikers
Eröffnungsgala im neuen Konzertsaal Sarjadje unweit des Kreml, 8. September 2018. Anna Netrebko und Albina Shagimuratova reichen feine Opernhäppchen, doch das erste Musikstück, das den Raum flutet, ist das Vorspiel zu Mussorgskys «Chowanschtschina», ein Klang gewordener Sonnenaufgang über der Moskwa. Am Pult, wer sonst, Valery Gergiev. Es ist eine Stippvisite, nach Konzert und Empfang besteigt er in den frühen Morgenstunden den Flieger Richtung Wien, ein Teil seines Mariinsky Orchesters ist vorausgeflogen. Beim Festival in Grafenegg, 70 Kilometer donauaufwärts, hat er dem Freund, Pianisten und Intendanten Rudolf Buchbinder zwei Konzerte am Tag nach ...
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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Porträt, Seite 48
von Markus Thiel
Er sei kein Komponist, der tagespolitische Musik erfinde. Das sagte Georg Katzer des Öfteren und ergänzte, dass ihm direkte politische Wirkungen eher fern lägen. Gleichwohl kündet aus dem Gros der weit über 100 Werke des 1935 in Schlesien Geborenen eine klare Botschaft: Wach sein, ästhetisch wie politisch. Allerdings müssen die Werke auch wirklich gehört, mithin...
Unter dem Datum 1. Mai 1844 berichtet Heinrich Heine in seinem Paris-Buch «Lutetia» von einer schönen Begebenheit: «Einen ungeheuren Beifall findet Scribes neue Oper ‹Die Sirene›, wozu Auber die Musik geschrieben.» Damals ein Repertoire-Renner, ist das Stück heute nicht einmal mehr dem Titel nach bekannt. Völlig zu Unrecht, wie man jetzt dank der Initiative des...
Welche Regisseurin, welcher Regisseur wünschte sich das nicht: Carte blanche bei der Stückauswahl. Fanny Ardant, eine der letzten großen Film- und Theaterdiven Frankreichs, kam in diesen Genuss: Die Griechische Nationaloper mit Sitz im Kulturzentrum Stavros Niarchos fragte bei der Schauspielerin an, ob sie Interesse hätte, in Athens modern-mondänem Musentempel ein...
