Der Intendant hat fertig
Während vor den Bildschirmen draußen am Naschmarkt um Österreichs Fußball bei der EM gezittert wird – was auch die Besucher des «Fidelio» in der Pause mitbekommen können –, halluzinieren wir im Zuschauerraum, der Mann ein paar Plätze weiter sei ein ehemaliger Trainer von Bayern München. Nein, nein, er sieht dem Italiener bloß zum Verwechseln ähnlich. Wäre er’s, hätte er längst interveniert, «was erlauben Freyer ...!». Und vielleicht auch «Ich habe fertig».
Denn der Doppelgänger verweigert dem bildmächtigen Palimpsest auf Beethovens Oper, das Achim Freyer da im Rahmen der Wiener Festwochen auf die Bühne des Theaters an der Wien gehievt hat, eindeutig die Zustimmung.
Deutlich burlesk, das Ganze. Dramatis personae erscheinen wie Figuren einer Spieluhr auf drei Ebenen, sich drehend, Türen auf und zu, Jaquino und Marzelline, dann Rocco. Daneben Leonore/ Fidelio, und links oben Pizarro als Springteufel. Wie dunkles Grundwasser aus weichem Waldboden steigt Florestans Torso aus dem Bühnengrund. Es sind Gestalten, die nur noch durch die Zahlen auf ihren Türen dekodiert werden, die kein Gesicht haben. Masken tragende Prototypen. Mysterienspiel, Commedia dell’Arte, Nô-Theater in einem. ...
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Opernwelt August 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Gerhard Persché
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