Absolut aufgeklärt
Antonio Salieris «Tarare» ist ein veritabler Opernsolitär – zu einer Zeit, als das Musiktheater noch weitgehend normierte, standardisierte Konfektionsware bot. Anders als bei Mozarts oder Paisiellos Vertonungen von Beaumarchais’ beiden «Figaro»-Schauspielen handelt es sich bei dem 1787 an der Pariser Opéra uraufgeführten Werk um ein Originallibretto des literarisch-politischen Wortführers der französischen Aufklärung.
«Tarare» – der Titel bedeutet so viel wie Unsinn, Blödsinn – ist ein operngeschichtliches Schlüsselwerk, denn es wendet die Grundkonstellation der Komödie ins Politische. Die Handlung spielt zwar im Orient, gemeint aber ist das Ancien Régime am Vorabend des Bastille-Sturms. Der despotische König Atar neidet dem jungen General Tarare seine Erfolge, lässt überdies seine Frau Astasie entführen. Aber eine von Calpigi, dem Serail-Aufseher, eingefädelte und vom Heer unterstützte Palastrevolution bedeutet das Ende Atars, sodass der vom Volk bejubelte Tarare als aufgeklärter Monarch den Thron besteigt. «Mensch! Deine Größe hieniden», so das Fazit, «hat nichts mit deinem Stand zu tun: sie hängt allein von deinem Charakter ab».
Formal knüpft «Tarare» mit dem allegorischen, ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: CD des Monats, Seite 49
von Uwe Schweikert
Dass er den Job kann, steht außer Frage. Aber am Ende eines voltenreichen Auswahlprozesses war es eine Überraschung, dass Alexander Neef ab 2021 die Pariser Oper leiten wird – als Nachfolger Stéphane Lissners, der das hochherrschaftliche Intendantenbüro an der Place de la Bastille aus Altersgründen räumen muss. Mit dem 45-Jährigen, seit 2008 Chef der Canadian Opera...
Nicht einmal 100 Kilometer sind es von dem nach Adam Mickiewicz, einem der Nationaldichter Polens, benannten Platz im Zentrum von Lviv bis zur Ruine der großen Synagoge in Brody, dem Geburtsort Joseph Roths. Aber mit dem Bus braucht man für die Strecke fast zwei Stunden. Hier, in dem einst durch Handel und Schmuggel prosperierenden Nest an der Grenze zwischen der...
arte
01.09. – 17.35 Uhr
Konzert am Mailänder Domplatz 2019
Werke von Dvořák und Rota
ML: Chailly
07.09. – 19.30 Uhr
Das Wunder von Nairobi
Inmitten des gefährlichsten Slums von Nairobi wurde vor zehn Jahren ein klassisches Jugendorchester gegründet. Bis dahin hatte kaum jemand in Korogocho eine Geige oder ein Cello gesehen. Heute erklingen nahe der Mülldeponie Sonaten...
