Auf Grund
Vor zwanzig Jahren – so die in Bremen lebende koreanische Komponistin Younghi Pagh-Paan – habe sie den Auftrag noch abgelehnt, eine Oper zu schreiben: «Jetzt konnte ich eine Oper schreiben – jetzt weiß ich, was Gesang ist.» Gerade am Gesang aber lief ihre Kammeroper «Mondschatten» auf Grund.
Pagh-Paan hatte sich von der Stuttgarter Dramaturgin Juliane Votteler ein Libretto nach Sophokles’ «Ödipus auf Kolonos» (unter Einbeziehung eines Textes von Byung-Chul Han) kompilieren lassen, das das antike Drama von der Verstoßung und vom Tod des schuldlos schuldig gewordenen thebanischen Königs auf seinen Kern – den Abschied des Ödipus von dieser Welt und seine Aufnahme unter die Götter – reduziert, zugleich aber hintergründig verrätselt. Pagh-Paans gleichsam statisch um sich selbst kreisende Musik für sechzehn Instrumentalisten – darunter immer wieder prominent hervortretend ein Akkordeon sowie zwei Perkussionsinstrumente – ist von hohem klangfarblichem Reiz, lässt sich allerdings kaum je konkret auf die wechselnden Figurenkonstellationen ein und verbindet sich schon gar nicht mit dem auffallend konventionellen Gesang, wie man ihn in vielen Musiktheaterpartituren der 1960er- und ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Elisabeth Schwarzkopf ist tot. Sie starb fünfunddreißig Jahre nach ihrem letzten Bühnenauftritt. Dennoch war sie für Sängerinnen, Sänger und Musikfreunde stets gegenwärtig. Das hatte nicht nur mit ihren Aufnahmen zu tun. Sie unterrichtete, bis zuletzt, leidenschaftlich. Sie kommunizierte und kommentierte, wann immer es ihr nötig schien. In der...
Da ist dem britischen Label Testament ein wirklicher Coup geglückt: die Weltpremiere einer mehr als fünfzig Jahre alten «Ring»-Produktion von den Bayreuther Festspielen, die damals von der Firma Decca in Stereoton aufgenommen, aber niemals veröffentlicht wurde. Die Gründe dafür werden im Booklet angesprochen und doch nicht restlos aufgeklärt. Tatsache ist, dass...
Bayreuth für Anfänger? An einem Abend? Der «Ring», den das «deutsch-französische forum junger kunst» im Bayreuther «Zentrum» einen Tag vor der Eröffnung der Festspiele aufführte, ist gewiss keiner für Novizen. Die Fassung David Seamans erlebte 1990 ihre Premiere in der Nürnberger «Pocket Opera», aber ganz so klein ist diese Version denn doch nicht. Dreieinhalb...
