Halb gewonnen
Ein Raum, karg möbliert: Tisch, Stuhl, Fenster. Die Szenerie wirkt (alb-)traumhaft, als zögen sich imaginäre Nebelschleier durch das Zimmer. Der Blick durchs Fenster hinaus ins Freie offenbart einen Feldweg, der in einem schaurigen nächtlichen Wald verschwindet. Nichts erscheint fest und sicher, alles steht auf schwankendem Grund. Und das ist ja auch die Grundstimmung in «Juliette», Bohuslav Martinůs «lyrischer Oper». Da sucht Michel in einer kleinen Stadt am Meer nach der bezaubernd schönen Juliette , die er einst am Fenster sah.
Doch er trifft nur auf Figuren, die das Gedächtnis verloren haben. Der Taumel und die Hilflosigkeit, wenn die stabilisierende Kraft der Erinnerung fehlt, die schwindende Grenze von Traum und Realität – darum dreht sich auch das Stück, das David Radok, Chefregisseur der Göteborger Oper, nun realisiert hat. Genauer gesagt: drei Szenen aus der Oper, die Martinů 1939, ein Jahr nach der Prager Uraufführung, unter dem Titel «Trois fragments de Juliette» veröffentlichte, in der (vergeblichen) Hoffnung, damit den französischen Rundfunk für seine Komposition zu interessieren.
Konzertant sind die «Fragmente» schon vor zehn Jahren wiederentdeckt worden, Magdalena ...
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Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Udo Badelt
Moment mal, irgendwie kommt uns das ziemlich bekannt vor. Nicht die ominöse Geschichte mit der von trinkfesten Mönchen besiegelten Doppelhochzeit am Ende, die im deutschsprachigen Raum unter dem irreführenden Titel «Die Verlobung im Kloster» beworben wird. Nicht diese auf vier Akte gestreckte Buffa, die Sergei Prokofjew 1940, vier Jahre nach seiner Rückkehr in...
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