Eklektizismus und Eleganz
Ermanno Wolf-Ferraris «Schmuck der Madonna» wurde 1911 in Berlin uraufgeführt und war sofort ein Erfolg. An der Metropolitan Opera in New York kam das Stück mit Maria Jeritza und Giovanni Martinelli heraus. Mehr war damals nicht drin. Und höher kam auch Puccini nicht hinaus. Eine späte Verismo-Oper? Zumindest teilweise. Neapel als Ort des Geschehens spricht dafür, ein betont folklorististisches Idiom, große Volksszenen. Auch die Mischung aus Bigotterie und rigider Sexualmoral, von Gottesdienst und Messerstecherei.
Und natürlich der Plot an sich: Maliella, ein zur jungen Frau gereiftes Findelkind, will ausbrechen aus der Enge des pflegemütterlichen Hauses. Gennaro, ein junger Schmied, neben dem sie als Stiefschwester aufgewachsen ist, will sie haben. Das will freilich auch der Mafiaboss Rafaele, zu dem sie sich erwartungsgemäß hingezogen fühlt und der ihr nicht die Sterne vom Himmel zu holen verspricht, sondern den Schmuck der Madonna für die erste Liebesnacht. Sex and Crime also oder genauer: Sex, Crime und Blasphemie.
Am Theater Freiburg, wo das Stück jetzt als Wiederentdeckung bejubelt wurde, geht der Vorhang über einem starken Bild auf: Inmitten eines leeren, durch den weißen ...
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Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Stephan Mösch
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