Im Zeitlosen
«Die Frau ohne Schatten» ist gespickt mit Anspielungen und Motiven, mit Zitaten und Entlehnungen; sie lässt sich nicht wirklich inszenieren, ohne dass es an einigen Stellen gründlich hakt. Wer als Regisseur jeden Bezug, jedes Symbol mit einer Erklärung versehen möchte, ist schnell verloren.
Auf diesem Hintergrund verdient Guy Joostens Produktion für die Düsseldorfer Rheinoper reichlich Anerkennung. Da vergisst man schnell und gern, dass es mit den Gesten der Figuren, mit ihrer szenischen Kommunikation untereinander stellenweise etwas hapert.
Viel lieber folgt man Joostens Ansatz, der den märchenhaften Stoff nicht aktualisiert, sondern im Zeitlosen belässt und auf Allgemeinmenschliches abzielt: auf die Fähigkeiten zur Verwandlung und auf den Umgang mit dem Irrationalen. Joosten und sein Bühnenbildner Johannes Leiacker haben dafür eine räumlich stimmige Lösung gefunden, trefflich akzentuiert durch die ausgezeichnete Lichtregie von Manfred Voss. Auf einer Drehbühne befindet sich eine überdimensionale Treppe, deren oberer Teil die Geisterwelt des Kaisers darstellt, und in deren unterem Hohlraum Barak und seine Färbersfrau ihr Leben fristen – ein ziemlich simpler, aber wirkungsvoller ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Nachdem Herbert von Karajan im September 1956 (Karl Böhm hatte demissioniert) die Leitung der Wiener Staatsoper übernommen hatte, erfüllte sich ein Jahr darauf sein schon 1946 erhobener Anspruch, die künstlerische Leitung der Salzburger Festspiele, bis dahin wahrgenommen von Wilhelm Furtwängler, Oscar Fritz Schuh, Caspar Neher und Gottfried von Einem, zu...
Eine Neuproduktion von «Lucrezia Borgia» gibt es nicht alle Tage. Auch an der National Opera in
Washington wäre das Stück wohl kaum in Erwägung gezogen worden, wenn Renée Fleming nicht zugesagt hätte, die Titelpartie zu übernehmen. Vor zehn Jahren hat die Sopranistin diese Lucrezia schon einmal gesungen, an der Scala – und wurde dort von den berüchtigten...
Unerschütterlich steht das Monument Olivier Messiaens inmitten der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Der vor 100 Jahren – am 10. Dezember 1908 – in Avignon geborene Komponist steht vom Alter her zwischen den prägenden Persönlichkeiten der Moderne: Schönberg und Strawinsky in der einen, Boulez und Stockhausen in der anderen Generation. Die beiden Letztgenannten...
