Oberaufseher

Intendanten gibt es nur in Deutschland und Italien. Warum eigentlich? Anmerkungen zu einer absolutistischen Denkfigur

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Stéphane Lissner führt an der Pariser Opéra den Titel eines «directeur délégué», eines «beigeordneten Direktors». Joan Matabosch in Madrid darf sich «director artístico», «künstlerischer Direktor» nennen. Kasper Holten am Covent Garden firmiert schlicht und einfach als «director of opera». Lediglich im deutschen Sprachraum gibt es den Intendanten, in Italien den «sovrintendente». Warum nur?

Ein Intendant ist ein Aufseher (ein «sovrintendente» also ein «Oberaufseher»). Diese Bezeichnung kam um 1550 am französischen Hof auf.

Verschiedene «intendants» und «surintendants» sollten Justiz, Polizei, das Finanzwesen und andere Dinge kontrollieren. Dem wollte auch der frisch gekrönte König von Preußen nicht nachstehen. 1706 bestellte Friedrich I. einen Schauspieler namens Du Rocher zum «Intendant des plaisirs de Sa Majesté pour porter Ses ordres et regler toute chose dans les Divertissements de la Comedie». Die barocke Formel weist auf die subalterne Stellung des Höflings: Transmissionsriemen einer unbeschränkten, allein im Monarchen konzentrierten Macht.

So waren die wenigsten Intendanten frei in ihren Entscheidungen. Bekanntlich griff noch Kaiser Wilhelm der Letzte ...

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Opernwelt Dezember 2016
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Anselm Gerhard

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