Intime Bekenntnisse
Als die Met 1991 John Coriglianos «The Ghosts of Versailles» herausbrachte, war jedem klar, dass die Oper zu lang ist. Aber wen interessierte das? Corigliano und sein Librettist William M. Hoffmann hatten in dem von ihnen erfundenen Genre der grand opera buffa eine mitreißende Arbeit abgeliefert, in der Mozarts und Rossinis «Figaro»-Personal auf die Gespenster Ludwig XVI., Marie Antoinettes und selbst des (ihr ergebenen) Beaumarchais prallten.
Luxuriös besetzt und spektakulär inszeniert (es gab sogar ein echtes Feuerwerk!), versetzte die Uraufführung an der Met – damals die erste nach einem Vierteljahrhundert – Publikum wie Kritik in einen Taumel der Begeisterung.
Ein nennenswertes Nachleben hatten die «Ghosts» nicht: Andere Häuser schreckten vor den Dimensionen des Stücks zurück. In der nun vorgestellten neuen Fassung für das Opera Theatre of Saint Louis fehlen rund 40 Minuten Musik, und das ursprünglich in Wagner-Stärke konzipierte Orchester umfasst jetzt weniger als 60 Musiker. Was bleibt übrig? Eine unverständliche Geschichte, aufgeblasene Auftrittsarien für Figuren, die später so gut wie keine Rolle mehr spielen, gestelzte Texte, eine Folge schön-fader, austauschbarer ...
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In der letzten Szene von Donizettis «Maria Stuarda» betritt, jedenfalls in Pier Luigi Pizzis Inszenierung, mit dem einleitenden Chor auch der Henker die Bühne. Erst unentschlossen, sucht er seinen Platz und stellt sich, auf sein Beil gestützt, in Positur – ein lebendes Standbild seiner Profession. Er muss sich allerdings in Geduld üben, denn der Chor lässt sich...
George Gerswhin hob die Hand, um sie wie ein Falke auf die Tasten des Klaviers niederstürzen zu lassen. Doch plötzlich hielt er inne. «Eines noch, Rouben», sagte er, «es muss dir klar sein, dass das eine ganz schwierige Partitur ist. Eigentlich ist sie unmöglich. Kann man denn Wagner überhaupt auf dem Klavier spielen? Und das hier ist wie Wagner.» Vom Regisseur...
Mehr als ein Vierteljahrhundert ist verstrichen, seit Carl H. Hiller in dieser Zeitschrift mit einem monografischen Essay auf den wohl bedeutendsten polnischen Komponisten nach Chopin aufmerksam machte (siehe OW 1/1983): Karol Szymanowski. Damals kannten allenfalls ein paar Connaisseurs das umfangreiche Œuvre des eigensinnigen Ästheten, der zeit seines viel zu...
