Die doppelte «Elektra»
Hugo von Hofmannsthals «Elektra» war nicht als Libretto geplant, sondern ein Versuch des Dichters, dem Lyrismus seiner frühen Bühnenwerke zu entkommen und zum «dramatischen Drama» vorzustoßen – ein Versuch, der ihm nach eigenem Bekenntnis «erst nur halb» gelang. Richard Strauss, der das Stück 1903 in Max Reinhardts Berliner Inszenierung (mit Gertrud Eysoldt in der Titelrolle) sah, erkannte in dem Text die Möglichkeit, seine «Salome» noch zu steigern, und konnte den Dichter gewinnen, die Tragödie zu einem Opernlibretto umzuformen.
Dabei blieben viele gedanklich und psychologisch entscheidende Textpassagen auf der Strecke, wohingegen vertonbare lyrische Verse hinzugefügt werden mussten. Später, während der gemeinsamen Arbeit am «Rosenkavalier», beklagte Hofmannsthal (gegenüber Harry Graf Kessler), dass Strauss ihn nicht verstanden habe, sonst hätte er nicht über «ein in sich completes Stück eine – entbehrliche – Symphonie (ge)schüttet wie Sauce über den Braten».
Eine Gegenüberstellung des Theaterstücks mit der Oper, wie sie jetzt von der Edition Mnemosyne unternommen wurde, ist deshalb prinzipiell reizvoll und erhellend, auch wenn sie an dem Befund nichts ändert, dass die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die Stadt der Brauereien am Rand des Reviers, die in die nichtindustriell geprägte Landschaft Westfalens hineinlappt – sie besitzt ein Theater mit Geschichte. Vor einhundert Jahren wurde es eröffnet. Seit 1887 gibt es bereits das Philharmonische Orchester. Hier arbeiteten so namhafte Dirigenten wie Wilhelm Schüchter, Hans Wallat, Klaus Weise oder Marek Janowski....
Virtuos ist diese Musik nicht, weil sie dem Orchester Virtuoses abverlangt. Das tut sie sowieso. Virtuos ist, wie sie zwischen der unerträglichen Leichtigkeit des Seins und der nicht weniger unerträglichen Ernsthaftigkeit des Scheins pendelt. Es ist ja, auch wenn man es oft lesen kann, nicht so, dass Schostakowitsch seine Titelheldin nur oder vor allem auf die...
Die Unterzeile, die bei der jüngsten Mannheimer Opernproduktion dem Originaltitel «Fidelio» beigegeben war, ließ aufhorchen. Sie lautete: «Beethoven op. 72 (1814) bei der NBC New York (1944) Toscanini Reminiszenz 2004». Ein klar verklausuliertes Signal, dass hier keine herkömmliche Auseinandersetzung mit einer klassischen Vorlage geplant war.
Bei seiner ersten...
