Tugend schlägt Reichtum

Rheinsberg, Piccinni: La Cecchina

Opernwelt - Logo

Wer ein Schloss bewohnt, verkörpert zwangsläufig ein Stück Tradition. Man trägt also Louis Quinze beim Marchese della Conchiglia (ein Hoch auf die edel genähten Rokoko-Kostüme von Jens Hübner), möchte heute aber auch im Schlosstheater Rheinsberg auf die Annehmlichkeiten der Moderne nicht mehr verzichten. Als da wären Sonnenbank, Hometrainer, höllisch rote Pumps und die hauseigene Cupido-Bar, an der am Ende von Niccolò Piccinnis 1760 in Rom mit einer reinen Männerbesetzung uraufgeführten «Cecchina» eigentlich alle Intrigen und Missverständnisse ins Reine gebracht werden sollten.


Die Einblicke allerdings, die die acht Personen in Simone Zeisberg-Meisers schnörkelloser Inszenierung (mit jungen Sängern und Musikern der Musik­akademie Rheinsberg) einander in den voraufgegangenen drei Stunden in ihr Charakterkostüm gewährt haben, macht die Sache nicht einfach. Da wäre der Cavaliere Armidoro: Er fährt in einer Stretchlimousine vor, um Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande zu treffen. Das Bühnenbild, eine Orangerie mit haushohen Tür­flügeln, die sich wie Buchseiten umschlagen lassen und immer neue Ansichten enthüllen, zeigt den Wagen in Groß­fotografie so hochglanzpoliert, dass sich die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2005
Rubrik: panorama, Seite 46
von Boris Kehrmann

Vergriffen
Weitere Beiträge
Fader Fang

Um es gleich zu sagen: In die diskografische Bestenliste werden diese «Pêcheurs de Perles» es kaum schaffen. Allenfalls einen Mittelplatz können wir ihnen zumessen. Wer nach Lichtblicken sucht, wird sich an Annick Massis halten müssen, die in diesem Mitschnitt vom April 2004 aus dem Teatro La Fenice die Rolle der Léïla verkörperte – zum wiederholten Male, denn...

Faszinierende Unerbittlichkeit

Meine Berührungen und Erfahrungen mit der Musik von Karlheinz Stockhausen wurden durch die nächtlichen Studiosendungen des Bayerischen Rundfunks und des Hessischen Rundfunks Ende der fünfziger Jahre ermöglicht. Instinktiv vermittelte sich mir hierbei eine einzigartige schöpferische Persönlichkeit, von der, ich kann es nicht anders sagen, eine außergewöhnliche, aber...

Von der Braut zur Königin

Die mittlerweile 79-jährige, in Passau lebende Ruth Zechlin hat Henry Purcells nicht vollständig überlieferte und daher auch nicht abendfüllende Oper «Dido and Aeneas» um die bei Vergil überlieferte Vorgeschichte erweitert. Ihre ebenfalls knapp einstündige Kammer­oper nach einem Libretto von Hellmuth Matiasek rollt das Geschehen als Rückblende auf: Elissa verliert...