Die unmögliche Tragödie
Ja, natürlich: Fußball. Wer denkt bei La Coruña schon an Oper? Nicht einmal die Einwohner der Stadt selbst. Sie identifizieren sich mit «Deportivo», der Elf, die zum Symbol der Stadt geworden ist. Das Stadion prangt unmittelbar am zwei Kilometer langen Sandstrand von Orzan, und kein Bau weit und breit kann es an Sogkraft mit ihm aufnehmen. Oder doch? Die Stadtväter geben sich alle Mühe, vom Schmuddel-Image der vollgepfropften Hafen- und Arbeiterstadt, das La Coruña lange anhaftete, wegzulenken. Seit den achtziger Jahren wird die Atlantik-Promenade kontinuierlich erweitert.
Dreizehn Kilometer kann man inzwischen joggen oder spazieren – in einer merkwürdigen Mischung aus Meerluft und den Abgasen vierspuriger Hauptverkehrsachsen. Ein «Haus des Menschen», das die Geschichte unserer Spezies interaktiv aufbereitet, bietet dem Stadion von der anderen Seite der Bucht buchstäblich die Stirn. In Richtung Altstadt gibt es architektonisch Bedeutenderes: das neue Museo de Bellas Artes, das der Architekt José Manuel Gallego meisterhaft mit der Bausubstanz eines alten Kapuzinerklosters verschmolzen hat. Ein paar Schritte weiter duckt sich das Teatro Rosalia Castro hinter einer klassizistischen ...
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Herr Holl, hinterlassen Lieder Spuren in Ihrer Opernarbeit?
Die Arbeit mit Texten interessiert mich am meisten. Das ist, wenn ich Wagner singe, nicht anders als bei einem Schubert-Lied.
Inwiefern?
Es geht um die Einheit von Text und Musik. Das war bei Wagner ja auch so: Er schrieb zuerst die Dichtungen, und im zweiten Schritt komponierte er sie aus. Nicht zuletzt...
Gut zwanzig Jahre nach seiner Emigration aus Deutschland besuchte Josef Tal mit seiner Frau Pola erstmals wieder seine ehemalige Heimatstadt Berlin: «Wir nahmen ein Taxi. Ich sperrte meine Augen weit auf – es wurde eine Geisterfahrt. Nach kurzer Zeit sagte ich zu Pola auf Hebräisch: ‹Du, der fährt uns spazieren, um eine größere Zeche rauszukriegen. Den Weg kenne...
Was eine Oper sei? Seit den Tagen Monteverdis wird über diese Frage rechtschaffen gestritten; und vor allem die Debatte darüber, ob ein Oratorium fürs Musiktheater tauge oder nicht, hat die Disputanten stets zu neuen Argumenten beflügelt. Im Falle von Robert Schumanns «Der Rose Pilgerfahrt» allerdings schien es bislang Common Sense zu sein, dass dieses letzte der...
