Schlicht und ergreifend
Über die Jahre sind die Puccini-Erkundungen Nikolaus Lehnhoffs an der Ams-
terdamer Oper zu einem kleinen Zyklus gewachsen: Nach der unlängst noch einmal für Baden-Baden aufpolierten «Tosca» und «Turandot» ist «La fanciulla del West» die dritte Folge dieser erfolgreichen Zusammenarbeit. Gerüchte wollen bereits von einer Fortsetzung mit «Madama Butterfly» wissen.
Das wäre überaus wünschenswert, denn auch bei Puccinis nicht eben unproblematischer Westernoper zeigt Altmeister Lehnhoff, was er immer noch so gut kann wie sonst kaum einer: Musiktheater für ein großes Publikum zu machen, ohne da-
rüber den Anspruch einer echten Auseinandersetzung aufzugeben.
Bei «Fanciulla del West» bedeutet das zuallererst den Verzicht auf das angestammte
Westernambiente. Puccinis Goldgräber sind zu Rockern in schwarzem Leder geworden, die ihre Räuberhöhle in einem ramponierten New Yorker U-Bahnschacht aufgeschlagen haben. Ein großes Loch in der Wand öffnet den Blick auf die unerreichbaren Traumregionen dieser Großstadt-Desperados: zu den Wolkenkratzern Manhattans, wo das große Geld regiert, und zur fernen Lagerfeuerromantik, die der weiße Cowboy Jake Wallace vor farbsatter Heimatfilmkulisse mit seiner ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Im Reich der Sinne herrschen offenbar ähnliche Zustände wie in Politik und Gesellschaft: Nicht immer hat der Bessere die größere Lobby. Denn obwohl die Welt gegenwärtig eindeutig das Auge hofiert, scheint das Ohr doch das differenziertere, präzisere Organ. Das Auge schätzt, das Ohr misst, stellte der deutsche Jazzguru und Nada-Brahma-Jünger Joachim Ernst Berendt...
Wenn er die Nase voll hat vom Standardrepertoire oder Regiekasperltheater, dann zieht es den Musiktheaterfan gern in die mitteldeutsche Provinz, wo sich in Chemnitz, Halle, Erfurt, vor allem aber in Gera eine bemerkenswerte Entdeckerlust findet. Unbekanntes, Sagenumwobenes, Rares wird da aus dem Fundus der Operngeschichte geborgen. Unlängst erweckte das Theater in...
Der Coup dieser Fernsehproduktion aus der Met ist der Einsatz von Natalie Dessay als Moderatorin. Sie war zwei Jahre zuvor die Premieren-Lucia und stellt (oder besser: führt?) jetzt ihre Nachfolgerin vor: «The great Russian soprano Anna Netrebko». Sie gratuliert ihr erst zum Baby und lässt einfließen, dass sie deren schon zwei habe, fragt sie nach den...
